Marktbericht

Verramscht

Björn Hartmann

Björn Hartmann über Nokia, Moody's und Fantasie

Es läuft nicht rund bei Nokia. Der finnische Mobiltelefonhersteller dominierte jahrelang den Markt und verpasste dann dramatisch einen elementaren Trend. Statt internetfähige Geräte mit berührungsempfindlichen Bildschirmen auf den Markt zu bringen (Smartphones eben), setzte der Konzern lange auf seinen Markennimbus und auf billige Geräte für Schwellenländer. Die Quittung kommt jetzt: Rote Zahlen und das zweite radikale Sparprogramm. Von einst 83.000 Beschäftigten bleiben dann nur 43.000. Derart radikale Schnitte elektrisieren weder die Anleger (Wo, bitte, ist die Zukunftsstory?) noch die professionellen Bewerter der Ratingagenturen.

Moody's jedenfalls machte kurzen Prozess mit dem einst wichtigsten Konzern Finnlands. Sie bewerten ihn nur noch mit Ramschstatus Ba1, den auch Zypern hat. Die Aktien sind damit aus Sicht von Moody's nur noch für sehr risikofreudige Anleger geeignet, eine spekulative Anlage. Allein in den vergangenen drei Monaten verlor das Papier fast die Hälfte seines Wertes.

Das Sparprogramm bringt da wenig Fantasie ins Rennen. Und die geniale Geschäftsidee fehlt auch noch. Nokia hat inzwischen immerhin ein Smartphone auf dem Markt, leider läuft es mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows Phone 7. Angesichts der Übermacht von Googles Android und Apples iOS mit den Unmengen kleiner, sehr beliebter Anwendungen (Apps) scheint der Durchbruch eher nicht bevorzustehen. Und dann werden die Geräte womöglich verramscht.