Sanierungsverfahren

Größter Müsli-Hersteller Europas vor der Pleite

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Hagen Seidel

Dailycer aus Lüneburg nutzt ein neues Verfahren des Insolvenzrechts zur schnellen Sanierung

- Alarm im Supermarktregal für Müsli, Frühstücksflocken und Cornflakes: Europas größter Hersteller von Frühstücks-Cerealien, Dailycer, versucht, sich mit Hilfe des sogenannten Schutzschirmverfahrens vor der Insolvenz zu retten. Das Unternehmen aus Lüneburg produziert Eigenmarken für die großen deutschen Handelsketten, unter anderem für Rewe. "Wir liefern selbstverständlich weiter", sagte der neu eingesetzte Sanierungsgeschäftsführer Torsten Voss. "Das Müsli wird nicht knapp werden."

Als Grund für den Gang zum Amtsgericht nannte Voss ein Problem, das auch viele andere Unternehmen betrifft: Die Einzelhandelskonzerne seien nicht bereit, den Herstellern höhere Preise zu zahlen, die wegen der deutlich gestiegenen Rohstoffkosten unumgänglich seien. Bei Dailycer hat sich laut Voss wegen des ungesunden Verhältnisses von hohen Einkaufs- und Produktionskosten sowie niedrigen Verkaufspreisen eine gewaltige Schuldenlast aufgebaut. Am Donnerstag hatte das Management dann wegen drohender Zahlungsunfähigkeit das neue Rettungsverfahren bei den Amtsgerichten Lüneburg und Tangermünde beantragt. Dort befinden sich die beiden deutschen Standorte. Daneben produziert das Unternehmen in Großbritannien, Frankreich Holland und der Schweiz.

Die Müsli-Gruppe, die im vergangenen Jahr rund 300 Millionen Euro umsetzte, beschäftigt 1800 Mitarbeiter, 800 davon in Deutschland. Wie viele Jobs nach der Sanierung noch übrig bleiben, ist offen. Voss, der seit 1998 schon als Sanierer für verschiedene angeschlagene Lebensmittelunternehmen gearbeitet hatte, sagte bereits, das Unternehmen sei zu uneffektiv und zu groß.

Drei Monate lang kann das Management jetzt - geschützt vor Gläubigerforderungen - am Konzept für die Sanierung arbeiten. Dieses Prinzip des Schutzschirmverfahrens ist an das amerikanische "Chapter 11" angelehnt, mit dem Pleiten verhindert werden sollen: Obwohl sich Dailycer jetzt nicht in der Insolvenz befindet, kann das Unternehmen die Sonderrechte nutzen, die in Insolvenzverfahren gelten. So haben die Chefs plötzlich Sonderkündigungsrechte für Mitarbeiter, Vermieter oder Dienstleister. Vor allem bekommen die Beschäftigten Löhne und Gehälter drei Monate lang von der Bundesanstalt für Arbeit.

Neben einem Sanierungsgeschäftsführer achtet ein Sachwalter - in diesem Fall ein Anwalt aus Dresden - darauf, das alles nach Vorschrift abläuft. Diese Neuerungen waren erst im Frühjahr ins deutsche Recht eingeführt worden.

Vorgänger von Dailycer sind seit Anfang der siebziger Jahre auf dem Markt. Die Gründerfamilie Markowski steht den "Siebenten-Tags-Adventisten" nahe, die sich selber eine protestantische Freikirche nennen. Neben der Familie ist der Finanzinvestor One Equity Partners Eigentümer. Nach früheren Angaben beliefert Dailycer 19 der 20 größten europäischen Handelsunternehmen sowie Kunden in Australien und den USA.