Handel

Firmen der Schlecker-Kinder vor dem Aus

Die insolvente Drogeriekette ihres Vaters war der einzige Auftraggeber - und der größte Schuldner

- Die Pleite der Drogeriekette Schlecker reißt auch die Firmen von Lars und Meike Schlecker, den Kindern von Firmengründer Anton, mit sich. Das Amtsgericht Ulm eröffnete das Insolvenzverfahren für die LDG Logistik- und Dienstleistungsgesellschaft mbH sowie die BDG Bau- und Dienstleistungsgesellschaft mbH. Die Firmen waren allein für die Drogeriemarktkette aktiv. "Der Fortbestand der Gesellschaft hängt entscheidend von der erfolgreichen Umsetzung des Restrukturie- rungsprogramms dieses Hauptkunden ab", warnten Wirtschaftsprüfer bereits 2010.

Nach Informationen der "Wirtschaftswoche" haben die beiden Kinder des Gründers über das Logistikunternehmen LDG zudem ein Darlehen von insgesamt über 75 Millionen Euro an die Drogeriekette vergeben. Da das Darlehen dem Vernehmen nach nicht an besondere Sicherheiten gebunden sei, könnten sie nur einen Bruchteil der Summe im Gläubigerverfahren zurückerhalten. Auch persönlich sind die beiden Kinder des Gründers Glaubiger des Unternehmens. Meike Schlecker soll 48,43 Millionen Euro fordern, ihr Bruder 48,9 Millionen Euro. Insgesamt waren zuletzt beim Insolvenzverwalter Forderungen von rund 665 Millionen Euro gegen Schlecker angemeldet worden.

Als Insolvenzverwalter für BDG und LDG wurden zwei Anwälte der Neu-Ulmer Kanzlei Schneider, Geiwitz & Partner bestellt, die bereits für Schlecker und die Tochtergesellschaften zuständig ist. Beide Unternehmen beschäftigten laut "Stuttgarter Nachrichten" 2010 noch zusammen 800 Mitarbeiter. Inzwischen dürfte die Anzahl aber niedriger sein.

Für die 13.000 Schlecker-Beschäftigten, die Ende Juni gekündigt werden sollen, gibt es derweil noch keine neue Lösung. Die Gewerkschaft ver.di pochte erneut auf die Einrichtung einer Transfergesellschaft. Das ver.di-Bundesvorstandsmitglied für den Handel, Stefanie Nutzenberger, forderte, "dass aus den Einnahmen durch den Abverkauf von Waren ein nennenswerter Teil für die Finanzierung einer Transfergesellschaft bereitgestellt wird."

Nach dem gescheiterten Verkauf der Schlecker-Tochter Ihr Platz kämpft der Münchner Investor Dubag weiter um die verbliebenen 490. Die "Neue Osnabrücker Zeitung" berichtete, dass Dubag auf der Suche nach einem neuen Warenversicherer ist. Dieser sei die letzte Hoffnung der rund 4000 Mitarbeiter, dass eine Zerschlagung von Ihr Platz doch noch verhindert werden könne. Ein Sprecher des Insolvenzverwalters wollte den Bericht nicht kommentieren. Die Drogeriekette dm hat bereits Interesse an bis zu 80 Ihr-Platz-Filialen angemeldet.

Ver.di wirft Schlecker-Eigentümer Anton unterdessen vor, kurz vor der Insolvenz Immobilien in Österreich für einige Millionen Euro an seine Kinder veräußert zu haben. Durch die Verkäufe könnte die Insolvenzmasse geschmälert worden sein, daher droht die Gewerkschaft mit einer Klage. Aus Sicht von Insolvenzverwalter Geiwitz ist zur Durchleuchtung der Geschäftsbeziehungen von Schlecker keine Klage notwendig. "Alle Geschäftsvorgänge der letzen Jahren werden ohnehin unter die Lupe genommen vom Insolvenzverwalter", sagte ein Geiwitz-Sprecher.