Personalien

Esprit im Niedergang: Aufsichtsratschef geht, Aktie rutscht ab

Die Modekette Esprit muss mitten im Umbau gleich zwei Rückschläge verkraften.

- Einen Tag nach dem Rücktritt von Vorstandschef Ronald van der Vis legte am Mittwoch auch der deutsche Aufsichtsratsvorsitzende und Ex-Metro-Chef Hans-Joachim Körber sein Amt nieder. Anleger zeigten sich von dem Stühlerücken verunsichert. Die an der Hongkonger Börse gelistete Aktie brach um mehr als 20 Prozent ein. Esprit macht rund 80 Prozent seines Umsatzes in Europa und leidet stark unter der schleppenden Nachfrage in der Schuldenkrise.

Die nun notwendige Neuaufstellung der Führungsriege und der Einbruch am Aktienmarkt rücken Esprit in den Fokus von Finanzinvestoren. Bankenkreisen zufolge erwägen Beteiligungsfirmen eine Übernahme des rund 1,8 Milliarden Euro schweren Modeunternehmens. "Anleger werden wahrscheinlich das Vertrauen in die Firma verlieren", warnte Analyst Linus Yip von First Shanghai Securities. Sein Kollege Tommy Ho von UOB Kay Hian sagte, Esprit könne ein Übernahmeziel werde. Während der Konkurrent von H&M und der Zara-Mutter Inditex Raymond Or Ching Fai zum Nachfolger von Körber ernannte, stand der neue Vorstandschef zunächst noch nicht fest. Van der Vis hatte bisher eine Schlüsselrolle bei der Restrukturierung inne, die erst 2015 abgeschlossen sein soll. Der Konzern betonte, die Neuausrichtung werde wie geplant fortgesetzt. Demnach will die Kette vor allem ihre Marke bekannter machen und ihr Filialnetz in Asien ausbauen. 2011 hatte Esprit erklärt, das Unternehmen habe seine "Seele verloren". Esprits rasanter Niedergang läuft konträr zur Erfolgsgeschichte des spanischen Rivalen Inditex, der vor allem von seinem Expansionskurs im Ausland profitiert. In diesem Jahr rutschte Esprit von Platz drei auf den sechsten Rang der asiatischen Modeunternehmen ab. Allein 2011 brach der Kurs der Esprit-Aktie um 73 Prozent ein.