Autobauer

Gnadenfrist aus Detroit

General Motors schließt vorerst kein Werk seiner deutschen Tochter. Die Beschäftigten werden dafür erhebliche Zugeständnisse machen müssen

- Die deutschen Mitarbeiter des Automobilherstellers Opel können aufatmen: Der Mutterkonzern General Motors (GM) will seine Sanierung zunächst ohne Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland vorantreiben. Auch das Werk in Bochum solle zumindest so lange erhalten bleiben, bis die aktuelle Zafira-Fertigung dort Ende 2016 ausläuft, teilten das Unternehmen, der Betriebsrat und die IG Metall gemeinsam mit. Zuletzt war spekuliert worden, das Werk könne dem Rotstift schon dann zum Opfer fallen, wenn der Standortsicherungsvertrag Ende 2014 ausläuft.

Nach Informationen der Morgenpost haben sich Management und Arbeitnehmervertreter zunächst nur auf die großen Eckpunkte einer Sanierung des Unternehmens geeinigt. "Eine ganze Reihe von Details ist noch offen, daran arbeiten wir", sagte ein Teilnehmer der Verhandlungen. Am 28. Juni will Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke dem Aufsichtsrat der GM-Tochter einen umfangreichen Sanierungsplan vorlegen. Der Durchbruch in Deutschland kam unmittelbar nach der Hauptversammlung von GM in Detroit und der anschließenden Sitzung des Verwaltungsrates. "Opel bleibt ein zentraler Pfeiler unseres globalen Geschäfts und ich bin fest davon überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind", sagte Stephen Girsky, Vize-Chef von GM und Opel-Aufsichtsratsvorsitzender im Anschluss an die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern.

Die Mitarbeiter des Opel/Vauxhall-Werks im englischen Ellesmere Port hatten jüngst entschieden, künftig mehr zu arbeiten und das für weniger Geld. Auch das hatte wohl den Druck auf die deutschen Arbeitnehmervertreter verstärkt. Die Folge der Entscheidung in England war, dass künftig dort und nicht in Deutschland ein Teil der neuesten Generation des für Opel wichtigen Modells Astra gebaut wird.

Management und Arbeitnehmervertreter wollen nun in den kommenden Wochen über die Auslastung der Standorte Rüsselsheim, Eisenach und Kaiserslautern verhandeln sowie die Zukunft des Werks in Bochum. "Die Opel Geschäftsleitung, die IG Metall und die Betriebsräte der deutschen Standorte werden ihre Gespräche in den kommenden Wochen weiterführen, um eine umfassende Vereinbarung zu treffen", so das Unternehmen.

Milliardenschwere Investitionen

Die Situation bei Opel ist derzeit - wie bei allen Herstellern, die sich auf den europäischen Markt konzentrieren - in Folge der Währungs- und Schuldenkrise angespannt. Die Auslastung der Werke beträgt im Durchschnitt nur rund 60 Prozent, damit schneidet Opel noch schwächer ab als die ebenfalls gebeutelten Autobauer Ford, Renault und Peugeot Citroen. Nur Fiat ist auf ähnlich tiefem Niveau.

Wie GM-Chef Dan Akerson am Tag zuvor in den USA kündigte Opel-Chef Stracke erneut milliardenschwere Investitionen in die Europatochter an. Man werde 23 neue Modelle, 13 neue Motoren und Getriebe, darunter drei komplett neu entwickelte Motorenfamilien, sowie weitere Fahrzeuge mit umweltfreundlicher Antriebstechnik auf den Markt bringen. Dadurch erweitere sich die Produktpalette auch um Segmente, in denen Opel derzeit noch nicht vertreten sei, so der Unternehmenschef. Beispiele seien der kleine SUV Mokka, der Lifestyle-Mini Adam und ein Premium-Cabrio. Es gilt als eines der Grundübel von Opel, nicht genug Modelle anzubieten und sich aus der Oberklasse weitgehend verabschiedet zu haben. "Wir müssen unser Geschäft so gestalten, dass wir auch in einem schwierigen Marktumfeld nachhaltig profitabel sind. Bei einem erwarteten Rückgang des Automobilmarktes in Europa um 20 Prozent im Vergleich zu 2007 wäre es unverantwortlich, jetzt nicht zu handeln", sagte Stracke.

Obwohl es für das Werk Bochum ab 2016 wieder eng werden kann, begrüßten der Betriebsrat und die IG Metall den Kurs des Mutterkonzerns. Opel-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Wolfgang Schäfer-Klug: "Die Eckpunkte des vorgeschlagenen Geschäftsplans gehen in die richtige Richtung, doch zu vielen Punkten müssen wir noch Gespräche führen."