Gesundheit

Honorarspritze für Apotheker

Kassenüberschüsse wecken Begehrlichkeiten: Koalition plant höhere Vergütung für Medikamente

- Heinz-Günter Wolf hat prächtige Laune derzeit, denn der Apothekerpräsident steht vor einem politischen Erfolg. Seit Jahr und Tag versucht er den Gesundheitspolitikern der schwarz-gelben Koalition klarzumachen, dass seine Branche finanzielle Unterstützung braucht. Man könne nicht immer nur Spargesetze verabschieden. Jetzt, wo die Krankenkassen auf milliardenschweren Reserven sitzen, müsse endlich etwas Geld fließen, so die Argumentation. Und tatsächlich: Wolf macht sich Hoffnung auf mehr als 600 Millionen Euro.

Anlass zur Hoffnung geben Äußerungen des gesundheitspolitischen Sprechers der Unions-Bundestagsfraktion Jens Spahn (CDU), der einem Apotheken-Fachblatt sagt: "Die Koalition hat versprochen, dass die Spargesetze bei den Apothekern - wie bei allen anderen auch - nur für 2011 und 2012 gelten." Zunächst fasse man, wie es von den Apothekern gewünscht worden sei, eine Erhöhung der Vergütung in der Arzneimittelpreisverordnung ins Auge.

Gemeint ist damit ein Teil des Honorars, das ein Apotheker für jede Packung eines Arzneimittels bekommt, die er über den Tresen reicht. Derzeit erhält er dafür einen Fixbetrag von 8,10 Euro. Geht es nach den Apothekern, sind es bald 9,14 Euro. Diesen Betrag haben sie als Forderung errechnet. "Es muss über eine Anhebung des Fixhonorars gesprochen werden", sagt dann auch der FDP-Gesundheitspolitiker Lars Lindemann. "Bei 8,10 Euro kann es auf keinen Fall bleiben." Spahn signalisiert eine Entscheidung noch vor der Sommerpause.

Kampfeslustige Krankenkassen

Das Bundesgesundheitsministerium will die Wünsche offiziell nicht kommentieren, es ist auch nicht zuständig. Das Bundeswirtschaftsministerium, das das Honorar durch eine einfache Verordnung heraufsetzen könnte, war ebenfalls zu keiner Stellungnahme bereit. Einzig die Krankenkassen, auf die höhere Kosten zukämen, zeigen sich kampfeslustig: "Eine Honorarspritze von über einem Euro mehr pro abgegebener Packung für eine offensichtlich gut situierte Branche passt mit dem gesetzlichen Auftrag einer wirtschaftlichen Versorgung nicht zusammen", sagte eine Sprecherin des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen. "Da sollen offenbar bereits Wahlgeschenke verteilt werden, bevor der Wahlkampf offiziell begonnen hat." Angesichts der hohen Apothekendichte scheine das reale Einkommen eines Apothekers nicht unattraktiv zu sein.

Das sehen die Apotheker selbst anders. Die Apotheker seien die einzige Gruppe im Gesundheitsbereich, die seit acht Jahren keinen Inflationsausgleich und keine Honoraranpassung bekommen habe. Die Bundesvereinigung der Apothekerverbände (ABDA), der Apothekenpräsident Wolf vorsteht, argumentiert genauso, will die verlangten 9,14 Euro aber ausdrücklich nur als Forderung verstanden wissen, was die Erwartung einschließt, dass sie wohl nicht voll erfüllt wird.

Die Angelegenheit ist insofern kompliziert, als die Koalition auch noch über einen anderen Teil des Apothekereinkommens befinden will. In den Arzneimittelspargesetzen, die von Schwarz-Gelb zu Beginn der Wahlperiode beschlossen wurden, war eine Art Großkundenrabatt vereinbart worden, der fällig wird, wenn Medikamente an gesetzlich Versicherte abgegeben werden. Bisher beträgt er 2,05 Euro pro Packung. Die Apotheker wollen ihn auf 1,75 Euro senken. Die Krankenkassen wollen ihn so hoch wie möglich erhalten. Seit Jahren schon liegen sich beide Seiten in dieser Angelegenheit vor einem Schiedsgericht in den Haaren.

FDP-Politiker Lindemann dürfte bei den Apothekern auf wenig Gegenliebe stoßen, wenn er im Sinne der Krankenkassen argumentiert, man brauche "eine Strukturbereinigung". "Es muss nicht an jeder Straßenecke eine Apotheke geben", sagt Lindemann. "Es gibt mehr Apotheken als Tankstellen in Deutschland und mir ist kein Deutscher bekannt der nicht wüsste, wie er rasch an Benzin käme."