Gläserne Decke

Frauenförderung sollte Chefsache sein

Studie: Nur ein Drittel der männlichen Führungskräfte hält Geschlechtervielfalt für wichtig

- Die vielen Appelle vonseiten der Politik und der Personalexperten haben durchaus schon Wirkung gezeigt: Selbst für die Chefs von Dax-Konzernen gehört es inzwischen zum guten Ton, wann immer sich die Gelegenheit ergibt, auf die große Bedeutung von Geschlechtervielfalt im Unternehmensalltag hinzuweisen. Umso erstaunlicher ist, dass diese Einsicht offenbar in weiten Teilen der männlichen Belegschaft noch nicht angekommen ist: Einer Umfrage der Unternehmensberatung McKinsey zufolge glaubt tatsächlich nur ein Drittel der männlichen Führungskräfte hierzulande daran, dass die gelebte Geschlechtervielfalt ein wichtiger Faktor für den Unternehmenserfolg ist. Bei den Frauen hingegen sind es 60 Prozent. Die Umfrage unter knapp 500 leitenden Mitarbeitern aus 53 deutschen Konzernen liegt der Berliner Morgenpost vor.

Drei von vier Männern sind der Ansicht, dass Männer und Frauen in den Beurteilungssystemen der Unternehmen gleich behandelt werden, bei den Frauen ist nur eine von dreien dieser Ansicht (32 Prozent). Während nur magere 16 Prozent der weiblichen Belegschaft der Auffassung sind, dass sich das Topmanagement genug für die Gleichstellung der Geschlechter einsetzt, sind es bei den Männern mehr als doppelt so viel (36 Prozent).

Das Thema Gleichbehandlung werde zwar in den Unternehmen inzwischen nicht mehr als "Gedöns" abgetan, meint Katrin Suder, Seniorpartnerin bei McKinsey. In den meisten Firmen gebe es heute Vorbilder, die die Prinzipien der Gleichstellung wirklich lebten. "Die Umsetzung im Alltag und auf allen Hierarchieebenen ist aber eine Kärrnerarbeit, und das geht nicht von heute auf morgen."

Allem voran mit Blick auf den Fachkräftemangel wächst auf die Unternehmen seit Jahren der Druck, bei der Besetzung von Führungsposten die Frauen stärker zu berücksichtigen. Bislang sind die Chefetagen hierzulande noch oft reine Männerveranstaltungen. Doch allein der demografisch bedingt wachsende Mangel an hoch qualifizierten Arbeitskräften bringt die Wirtschaft dazu, die Weichen zu stellen, damit auch die Ressourcen weiblicher Angestellter besser ausgeschöpft werden. Auch rein betriebswirtschaftlich lohnt sich das: In Studien wurde nachgewiesen, dass gemischte Führungsteams bessere Betriebsergebnisse erwirtschaften.

Konkrete strategische Schritte

Der Mentalitätswandel, der für eine gelebte Geschlechtervielfalt notwendig ist, ist kein Hexenwerk, sondern durch konkrete strategische Schritte sehr wohl steuerbar. In einer breit angelegten Studienreihe, im Rahmen derer auch die Umfrage durchgeführt wurde, hat McKinsey nachgewiesen, dass vor allem die Unternehmen einen für heutige Verhältnisse hohen Frauenanteil von 15 Prozent und mehr in den Führungsetagen aufweisen, bei denen das Thema Diversity schon heute einen festen Platz in der Unternehmenskultur hat. Messbare Fortschritte ergaben sich vor allem dort, wo sich der Vorstandsvorsitzende erkennbar für die Gleichbehandlung von Männern und Frauen einsetzt, wo klare quantitative Ziele für einen Frauenanteil formuliert oder wo explizit an männliche Führungskräfte gerichtete Trainings angeboten werden, die diese für das Thema Geschlechtervielfalt sensibilisieren sollen. "Eine Unternehmenskultur ist dann förderlich für Diversity, wenn Leistung allein an objektiv messbaren Parametern festgemacht wird", sagt Suder. "Wenn es nur darum geht, ob und wie gut jemand seine Ziele erreicht hat, ist es zum Beispiel irrelevant, wie lang er oder sie dazu im Büro gesessen hat oder in welchen Seilschaften er oder sie drinsteckt."