Konzeptlos

StudiVZ steht vor dem Aus

Konkurrent Facebook macht den Berlinern schwer zu schaffen. Nur für SchülerVZ gibt es ein Konzept

- Die Geschichte vom glorreichen Neuanfang bei den erfolglosen VZ-Netzwerken hat von Anfang etwas zu optimistisch geklungen. Erst im April verkündete Markus Schunk (36), Geschäftsführer von Holtzbrinck Digital, überraschend für die Internetgemeinde mit viel Euphorie einen Neustart des sozialen Netzwerks, früher einmal deutscher Marktführer. Daraus wird wohl nichts, auch wenn Unternehmenschefin Stefanie Waehlert die neuen Pläne als "Befreiungsschlag" wertete. Es dürfte eher ein Ausstieg auf Raten sein.

Fast ein Drittel der 75 Angestellten der VZ-Netzwerke müssen gehen. Für StudiVZ, einst Herzstück der Gruppe, und für MeinVZ, das sich an Erwachsene nach Schule und Studium wendet, fehlen den Verantwortlichen offenkundig inzwischen jegliche Ideen zur Fortführung: Bis zum Jahresende sollen "neue Optionen" geprüft werden, ließ das Unternehmen wissen. Wie zu hören ist, wird vom Verkauf über eine Fusion bis hin zur Schließung alles erwogen. Eine Entscheidung solle idealerweise noch schneller als bis Jahresende getroffen werden, heißt es bei Branchenbeobachtern.

Vor allem für StudiVZ, gesteuert aus Büros in Prenzlauer Berg, wäre dies das unrühmliche Ende einer Karriere, die sehr vielversprechend gestartet war. Das soziale Netzwerk, das Holtzbrinck 2007 für angeblich 85 Millionen Euro übernommen hatte, war ehedem Marktführer in Deutschland. Facebook-Chef Mark Zuckerberg bot dann Aktien seines Unternehmens, um den Rivalen zu kaufen. Holtzbrinck lehnte damals ab - und wurde danach schnell vom Herausforderer aus den USA überholt. Seitdem sinken die Nutzerzahlen - obwohl SchülerVZ sowie MeinVZ geschaffen wurden, um die Zielgruppe zu erweitern. Weniger als 50 Millionen Mal besuchten Nutzer die VZ-Netzwerke im April dieses Jahres, im Mai waren es abermals fünf Prozent weniger. Vor zwei Jahren hatten die Netzwerke fast 450 Millionen Besuche verzeichnet. Derzeit nutzen hierzulande weniger als vier Millionen Menschen das VZ-Angebot - Facebook kommt auf 20 Millionen Nutzer; weltweit sind es mehr als 900 Millionen.

In der schwierigen Lage scheint man zumindest der dritten Sparte, SchülerVZ, noch etwas zuzutrauen. Das Netzwerk, das sich an junge Zielgruppen wendet, die bei Facebook offiziell gar nicht zugelassen sind, soll in eine Lernplattform umgewandelt werden. Schon Schunk hatte angekündigt, man wolle den Nutzern mehr Angebote auch in Richtung schulischem Umfeld machen, die direkt auf sie zugeschnitten sind. Das Portal werde künftig Funktionalitäten "rund um den Austausch von Jugendlichen zu ihren Interessen und Fähigkeiten" haben, heißt es nun, kaum konkreter. Perspektivisch solle es "über mehrere Stufen zu einem edukativen Angebot ausgebaut werden".

Sorgenvoll stimmen müsste die VZ-Betreiber, dass Facebook ähnliche Pläne hat. Auch der Rivale experimentiert in diesen Wochen mit Profilseiten für Kinder unter 13 Jahren - das offizielle Mindestalter des Netzwerks, das aber ohnehin schon viele umgehen.

Noch im April stellte Holtzbrinck-Digital-Chef Schunk in Aussicht, auch wieder Geld für Werbung auszugeben - nicht zuletzt um das schlechte Image von VZ zu drehen. Nun soll es gleich ein gänzlich neuer Name richten. Die Netze firmieren künftig unter dem Namen Poolworks, SchülerVZ wird vom vierten Quartal an IDPool.de heißen. Zugleich gliedert Holtzbrinck Digital die Techniksparte in ein eigenes Unternehmen namens Devbliss aus. Diese Firma soll andere Unternehmen des Verlags mit ihrem Wissen unterstützen.