Marktbericht

Nicht so sexy

Björn Hartmann über Evonik und lustlose Großinvestoren

Schon merkwürdig. Spätestens seit Ende März ist das Umfeld an den Märkten nicht so, dass ein Börsengang richtig gut laufen würde. Zuletzt zeigte sich das beim sozialen Netzwerk Facebook. Der Kurs der Aktie kennt seit dem Börsengang nur eine Richtung: abwärts. Die RAG-Stiftung hält offiziell aber am Börsengang - betreut von deutscher Bank und Goldman Sachs - ihrer Tochter Evonik fest. Dabei mehren sich die Anzeichen, dass es zunächst einmal nichts damit wird.

Die RAG-Stiftung und der Finanzinvestor CVC, der auch an Evonik beteiligt ist, streben einen Erlös von mindestens 15 Milliarden Euro an. "Völlig unrealistisch", sagte jetzt ein Manager einer großen deutsche Fondsgesellschaft. "Im aktuellen Marktumfeld werden sie das nicht bekommen." Der Mann hält zwölf Milliarden Euro schon eher für vorstellbar. Andere Großinvestoren halten den Essener Chemiekonzern zwar für ein sehr gutes Unternehmen, allerdings müsse man "im Moment entweder beim Preis oder beim Volumen Abstriche machen". Also doch nicht so sexy, der Konzern.

Die Pläne für den größten Börsengang des Jahres in Europa müssen damit wohl zu den Akten gelegt werden. Denn die Stiftung hatte zuletzt erklärt, er werde abgebrochen, wenn die Voraussetzungen wie eine angemessene Bewertung nicht erfüllt würden. Mit dem Geld soll übrigens der Ausstieg aus der deutschen Kohle und die Folgen davon finanziert werden - zumindest zum Teil. Da zählt jede Million.