Leserfrage

Bekomme ich in Ostdeutschland weniger Witwenrente?

Meine Frau ist verstorben, jetzt erhalte ich Witwenrente. Wir haben im Westen gelebt und gearbeitet und sind dann vor einigen Jahren in den Speckgürtel um Berlin gezogen - in den ehemaligen Ostteil. Jetzt erhalte ich als Witwer nur "Ost-Witwen-Rente", also weniger. Was ist mit meiner "normalen" Rente, sinkt die ebenfalls?

Die Witwen- beziehungsweise Witwerrente wird nur dann in voller Höhe gewährt, wenn das eigene Erwerbs- beziehungsweise Erwerbsersatzeinkommen einen bestimmten Freibetrag nicht erreicht. Eigenes Einkommen kann dazu führen, dass sich die Höhe der Witwenrente verringert. Zum eigenen Einkommen zählt auch die Altersrente. Eine Anrechnung erfolgt aber erst dann, wenn der sogenannte Freibetrag überschritten wird.

Dieser Freibetrag unterscheidet sich in Ost- und Westdeutschland. Er beträgt derzeit netto 725, 21 Euro in den alten und 643,37 Euro in den neuen Bundesländern.

Wird dieser Freibetrag überschritten, wird die Witwenrente um 40 Prozent des den Freibetrag überschreitenden Betrages gekürzt. Der Freibetrag kann sich erhöhen, und zwar für jedes Kind, das waisenrentenberechtigt ist, um jeweils 153,83 Euro (Ost-Deutschland: 136,47 Euro). Dadurch kann sich der Anrechnungsbetrag des eigenen Einkommens verringern und zu einer höheren Witwenrente führen.

Wegen des unterschiedlichen Freibetrags in Ost und West kann es beim Umzug von den alten in die neuen Bundesländer zu einer Verringerung der Witwenrente kommen, wie von Ihnen beschrieben. Ein Umzug in umgekehrter Richtung kann hingegen zu einer Rentenerhöhung führen. Die Deutsche Rentenversicherung Bund empfiehlt daher, sich über die Auswirkungen eines Umzuges auf die Witwenrente zu informieren.

Ganz wichtig: Auf die eigene Altersrente hat ein Umzug keine Auswirkungen. Sie wird, wie bisher, weitergezahlt.

Dirk von der Heide, Deutsche Rentenversicherung Bund

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