Insolvenz

Schleckers Milliarden-Vermögen ist verschwunden

Nur die Kinder des Firmengründers besitzen noch rund 40 Millionen Euro

- Vom ehemaligen Reichtum der Familie Schlecker bleibt durch die Zerschlagung der Drogeriemarktkette nicht mehr viel übrig. Die Schlecker-Familie besitzt nach der Insolvenz noch 35 bis 40 Millionen Euro Privatvermögen, wie das "Handelsblatt" berichtet. Das Geld sei zum größten Teil im Besitz der Kinder, sagten ehemalige Manager des Unternehmens demnach. Noch vor drei Jahren soll das Vermögen der Familie fast drei Milliarden Euro betragen haben. 2011 war es auf 1,65 Milliarden geschätzt worden - inklusive Unternehmenswert.

Meike Schlecker, die gemeinsam mit ihrem Bruder Lars vor der Insolvenz mehr Verantwortung im Unternehmen übernehmen sollte, hatte bereits im Januar über das Vermögen ihres Vaters gesagt: "Es ist nichts mehr da, er hat alles in das Unternehmen eingebracht." Anton Schlecker hatte die Kette als eingetragener Kaufmann geführt und muss mit seinem gesamten Privatvermögen dafür einstehen. "Die Familie wird sehr genau auf Übertragungen untersucht", sagte der Sprecher des Insolvenzverwalters, Alexander Güttler. Das Anwesen der Familie in Ehingen ist etwa im Besitz von Anton Schleckers Frau Christa. Wie und wann es übertragen wurde, ist nicht bekannt.

Die 35 bis 40 Millionen Euro, die die Kinder Lars und Meike Schlecker besitzen sollen, sollen sie mit ihrer Leiharbeitsagentur Meniar erwirtschaftet haben. Meniar steht für "Menschen in Arbeit". Über dieses Schlecker-Subunternehmen seien rund 4300 zuvor entlassene Schlecker-Mitarbeiter zu deutlich schlechteren Konditionen in Leiharbeitsverträgen an Schlecker zurückvermittelt worden, berichtete das "Handelsblatt".

Eine andere Firma von Lars und Meike Schlecker, das Logistikunternehmen LDG, wird von der Insolvenz getroffen. Der "Wirtschaftswoche" zufolge hat LDG ein Darlehen von insgesamt rund 70 Millionen Euro an die Drogeriekette vergeben. Weil das Darlehen dem Vernehmen nach nicht an besondere Sicherheiten gebunden sei, könnten sie nur einen Bruchteil der Summe im Gläubigerverfahren zurückerhalten.

Insolvenzverwalter Andreas Geiwitz sagte dem "Spiegel", noch kurz vor dem Beschluss über die Zerschlagung am vergangenen Freitag habe er die Familie Schlecker gebeten, einen finanziellen Beitrag zu leisten. Anton Schlecker sei zwar offiziell vermögenslos, "aber die Familie hat noch Vermögen, und ich habe gefragt, ob sie bereit sei, eine Verlustfinanzierung zu leisten". Es sei um sieben bis neun Millionen Euro für Juni gegangen. Doch die Familie "war entweder nicht bereit oder nicht in der Lage", diese Summe zu zahlen.

Für einen Teil des Schlecker-Imperiums deutet sich derweil eine Lösung an. Die Drogeriemarktkette Ihr Platz und die Schlecker XL-Filialen übernimmt womöglich der Münchner Finanzinvestor Dubag, berichtete die "Neue Osnabrücker Zeitung". Dubag habe Ihr Platz bereits gekauft, sagte Ihr-Platz-Insolvenzverwalter Werner Schneider. Dem Geschäft müssten allerdings noch die Schlecker-Gläubiger und das zuständige Insolvenzgericht in Ulm zustimmen. Daneben interessiere sich Dubag auch für die knapp 350 XL-Filialen.

Am Freitag hatte der Gläubigerausschuss die Zerschlagung von Schlecker beschlossen. Die Drogeriekette schließt nach dem Ausverkauf von 2800 Märkten. Mehr als 13.000 Mitarbeiter werden Ende Juni ihre Arbeit verlieren.

Die Gewerkschaft Ver.di fordert wie schon im März eine Transfergesellschaft, die den betroffenen Mitarbeiterinnen hilft, neue Arbeitsplätze zu finden - und sie vor allem erst einmal weiterbezahlt. Über eine solche Gesellschaft wurde bereits Ende März gestritten. Unter anderen Baden-Württemberg hatte sie für die damals bereits entlassenen rund 10.000 Schlecker-Mitarbeiter gefordert. Die Gesellschaft war am Widerstand der FDP gescheitert. Insolvenzverwalter Geiwitz griff deshalb noch einmal die Partei an. "Das hat nicht nur uns den Garaus gemacht, sondern war auch eine Farce für die Betroffenen."