Kommentar

Tiefgreifende Änderung nötig

Dorothea Siems über den Fachkräftemangel und die Folgen

Der deutschen Wirtschaft gehen die Fachkräfte aus. Längst werden nicht mehr nur Ingenieure oder Ärzte händeringend gesucht. Auch Facharbeiter sind besonders im wirtschaftsstarken Süden schon knapp. Akuter Mangel herrscht zudem beim Nachwuchs: Angesichts sinkender Schülerzahlen bleiben häufig Lehrstellen unbesetzt.

Dies sind nur die ersten Vorboten des demografischen Wandels, der den Arbeitsmarkt in Deutschland komplett verändern wird. Statt Massenarbeitslosigkeit wird Personalknappheit die Gesellschaft in Zukunft prägen. Mehr Zuwanderung, längere Arbeitszeiten für Mütter sowie ein deutlich späterer Renteneintritt sind die Voraussetzung dafür, dass Deutschlands Wirtschaft erfolgreich bleibt. Arbeitgeber und Politiker haben es in der Hand, an welcher der drei Stellschrauben wie viel gedreht wird.

Mit dem umfangreichen Krippenausbau sorgt der Staat dafür, dass Eltern mehr Zeit als bislang am Arbeitsplatz verbringen können. Doch auch die Tarifparteien und die Personalmanager sind gefordert, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch flexible Arrangements zu erleichtern - sonst werden viele Betriebe wohl lange darauf warten, dass die Mütter aus der Babypause zurückkehren. Denn Umfragen zeigen, dass die Frauen zwar auch Karriere machen wollen. Doch im Zweifelsfall stecken sie lieber beruflich zurück, als ständig im Büro oder im Geschäft präsent zu sein. Nur wenn trotz des Jobs noch genügend Zeit für das familiäre Miteinander bleibt, werden die Mütter den Arbeitgebern entgegenkommen.

Viel zu zögerlich agiert die Koalition bislang, wenn es um eine Lockerung der Zuwanderungsregeln geht. Während weltweit ein Wettkampf um die klügsten Köpfe tobt, sind die hiesigen Gesetze weiterhin zu restriktiv. Dabei könnte eine gut gesteuerte Zuwanderung von Fachkräften den absehbaren Personalmangel in Deutschland erheblich lindern.

Sollte uns hier die entscheidende Weichenstellung nicht bald gelingen, wird die Rente mit 67 noch lange nicht die Lösung sein. Denn irgendjemand muss die Arbeit schließlich machen.