Vermögen

Vererben oder verschenken?

Viele Deutsche wollen ihr Vermögen den Kindern übergeben, ohne zu viele Steuern dafür zu zahlen. Dabei gibt es einiges zu beachten

- Spätestens bei einem Umzug wird vielen Menschen klar, wie viele Dinge sie über die Jahre hinweg angehäuft haben: Bücher, Elektrogeräte, Reisesouvenirs, Familienfotos, Notizen. Vor allem bei vielen Frauen dürften noch Schmuck, Schuhe und Kleider dazu kommen. Viele Dinge sind bei anderen womöglich besser aufgehoben - also verschenken.

Beim Verschenken ist es wie beim Vererben: Ein Großteil der Schenker und Erblasser will mit ihrer Gabe "jemandem eine Freude machen" - so auch das Ergebnis einer Studie des Instituts Allensbach. Je nachdem, wie hoch der zu vergebende Nachlass war, gaben 38 bis 41 Prozent der befragten potenziellen Erblasser dieses Motiv an. Einzig die finanzielle Versorgung der Erben ist in den meisten Fällen wichtiger (37 bis 49 Prozent).

Geld und Wohnung schon zu Lebzeiten an Kinder oder Ehegatten zu übertragen, kann aus mehreren Gründen sinnvoll sein. Ein Vorteil besteht darin, dass man die Dankbarkeit der Kinder noch erlebt. Ein anderer ist profaner: wenn der Wert des Vermögens den steuerlichen Freibetrag überschreitet. "Wenn ich ein Vermögen über 400.000 Euro habe, ist es sinnvoll, das vorab zu verschenken", sagt Jan Bittler, Fachanwalt für Erbrecht und Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge.

Die vorgezogene Schenkung lohnt sich nicht nur für besonders reiche Menschen. Auch wenn nicht die Kinder oder Ehepartner als Erben eingesetzt werden sollen, sondern etwa Neffen und Geschwister, kann es sinnvoll sein, das Erbe schon zu verschenken: "Hier sind die Freibeträge bei der Erbschaftsteuer deutlich niedriger", sagt Klaus Michael Groll, Fachanwalt für Erbrecht und Präsident des Deutschen Forums für Erbrecht.

"Zeitalter des Übertragungswahns"

In diesen Fällen geht es meist nicht um Souvenirs oder hübsche Weingläser, die das Herz der Geschwisterkinder höher schlagen lassen. Denken Deutsche ans Vererben, stehen vielmehr handfeste Dinge wie Eigenheim, Geld, Möbel, Autos und Schmuck ganz oben auf der Liste. In der jetzt kommenden Erblassergeneration gehen mehr Personen als bisher davon aus, dass sie Immobilien vererben werden. Bisher habe Nachlass vor allem aus Bargeld bestanden, das jedoch heute zunehmend als finanzielle Spielmasse für einen angenehmen Ruhestand gesehen wird. Auch das ergab die Allensbach-Erhebung im Auftrag der Postbank, die zusammen mit der BHW Bausparkasse einer der größten Immobilienfinanzierer und -vermittler in der Bundesrepublik ist.

Gerade bei Immobilien raten Experten abgesehen von Spezialfällen aber von der vorgezogenen Vermögensübertragung ab. Erbrechtsexperte Groll sprich sogar vom "Zeitalter des Übertragungswahns": "Viele Eltern werden heute von ihren Kindern unter Druck gesetzt, das Erbe schon zu Lebzeiten zu vermachen. Ich kann nur davor warnen, leichtfertig sein Vermögen zu verschenken."

Das gilt besonders für die Übertragung von selbst bewohnten Wohnungen und Häusern, wie Notar Christian Rupp, Geschäftsführer des Deutschen Notarvereins, sagt. "Wenn überhaupt keine Not besteht, die Immobilie zu übertragen, sollte man das auch nicht tun." Entschließt man sich zur vorzeitigen Übertragung, sollte man sich die Rechte zur Nutzung der Immobilie auf jeden Fall sichern. Dabei wird zwischen dem reinen Wohnrecht und dem Nießbrauchsrecht unterschieden: Kraft des Nießbrauchs kann der Schenker die Wohnung bewohnen oder vermieten. Verkaufen oder belasten darf nur der neue Eigentümer. Das reine Wohnrecht berechtigt dagegen nicht dazu, die Immobilie wirtschaftlich zu verwerten.

Nießbrauchsrecht sichern

"Nach Möglichkeit sollte man sich für den Nießbrauch entscheiden", sagt Groll. Denn dann habe man noch den wirtschaftlichen Nutzen, auch wenn die Immobilie bereits auf die Kinder übertragen worden sei. Manche Eltern übertragen auch deshalb ihre Immobilien auf die Kinder, um das Eigentum im Falle eines längeren Heimaufenthalts vor dem Zugriff des Sozialamts zu schützen. Doch diese Rechnung muss nicht aufgehen. Habe der Vererber ein Nießbrauchsrecht, würde der Staat Ansprüche auf die Erträge aus der Wohnung stellen, sagt Fachanwalt Bittler.

Die vorzeitige Schenkung kann auch eine Methode sein, um etwa unliebsame Kinder zu enterben. Normalerweise haben sie einen Pflichtteilsanspruch. Wird nun ein Vermögen vorzeitig an andere verschenkt, haben die leer ausgehenden Erben Anspruch auf einen Ausgleich. Allerdings verringert sich dieser Anspruch jedes Jahr nach der Schenkung um ein Zehntel. Nach zehn Jahren ist er erloschen.

Grundsätzlich beachten sollten Erblasser, dass Schenkungen einer großen Geldsumme, eines Häuschens oder einer Wohnung endgültig sind. "Hier muss den Beteiligten klar sein: Geschenkt ist geschenkt", sagt Rupp. Allerdings gibt es Möglichkeiten, Ausnahmen im Schenkungsvertrag einzubauen. So kann man verfügen, dass die Schenkung rückgängig gemacht wird, wenn etwa der Beschenkte zuerst stirbt.

Groll rät, entsprechende Klauseln für den Fall einer Scheidung aufzunehmen, wenn man sein Vermögen zu Lebzeiten an seinen Ehepartner überträgt. Denn bei einer Scheidung wird nicht nur wegen Urlaubserinnerungen und CD-Sammlung gestritten.