Unternehmen

Endzeitstimmung bei Schlecker-Mitarbeiterinnen

CDU-Politiker fordern Staatshilfe, die FDP lehnt ab. Die Beschäftigten resignieren. Und in Berlin bleiben viele Filialen einfach geschlossen

- In dieser Stadt derzeit noch eine geöffnete Schlecker-Filiale zu finden, ist nicht so einfach. Gibt man "Schlecker Kreuzberg" als Suchbegriffe bei Google Maps ein, tauchen noch immer an jeder fünften Straßenecke rote Stecknadeln auf, die Realität sieht allerdings anders aus. Wo die Drogeriemarktkette bisher präsent war, stehen heute die Schaufenster leer. An einer noch betriebenen Filiale hängt schon seit Freitag ein handgeschriebener Zettel an der Tür: "Aus personellen Gründen schließt der Laden heute um 15 Uhr und bleibt auch am Samstag geschlossen." In einer Filiale in der Leipziger Straße steht eine ältere Kundin an der unbesetzten Kasse. Nach ein paar Minuten läuft sie Richtung Lagerraum und ruft "Wird hier noch bedient?" Eine Mitarbeiterin erscheint, sie lächelt nicht, steckt den Schlüssel in die Kasse und rechnet die Ware ab. Seit 16 Jahren arbeite sie nun schon für Schlecker und jetzt das: In den nächsten Wochen wird ihre Filiale geschlossen und sie verliert ihren Arbeitsplatz - so wie viele andere auch. Mehr als 13 000 Menschen in Deutschland werden Ende Juni auf Jobsuche gehen müssen.

In den kommenden Tagen beginne in den Schlecker-Filialen der Ausverkauf, sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters Arndt Geiwitz. Der Sozialflügel der CDU forderte am Samstag eine Transfergesellschaft für die von der Entlassung betroffenen Mitarbeiter. "Die Politik darf sich nicht aus der Verantwortung stehlen und der Bundesagentur für Arbeit den schwarzen Peter zuschieben", sagte der stellvertretende CDA-Bundesvorsitzende Christian Bäumler. Ohne eine Transfergesellschaft hätten die entlassenen Schlecker-Mitarbeiter auf dem Arbeitsmarkt keine Chance, so Bäumler.

Die schwarz-gelbe Bundesregierung hatte sich nach der Schlecker-Insolvenz auf Druck der FDP gegen eine solche Transfergesellschaft ausgesprochen. Die Liberalen wiederholten am Wochenende ihre ablehnende Haltung. Fraktionschef Rainer Brüderle sagte, "unternehmerische Fehlentscheidungen" hätten zur Insolvenz von Schlecker geführt. Es habe Priorität, dass die Bundesagentur für Arbeit die gut ausgebildeten Mitarbeiter bei der Jobsuche unterstütze.

Die Zerschlagung der Drogeriemarktkette wirkt sich auch auf das Vermögen der Familie Schlecker aus. Firmengründer Anton Schlecker hat das Unternehmen als eingetragener Kaufmann geführt und muss mit seinem gesamten Privatvermögen dafür einstehen. "Die Familie wird sehr genau auf Übertragungen untersucht", sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters. Das Anwesen der Familie in Ehingen soll beispielsweise im Besitz von Anton Schleckers Frau Christa sein. Wie und wann es übertragen wurde, ist nicht bekannt. Die Firma LDG der Kinder Lars und Meike Schlecker wird ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Nach Informationen der "Wirtschaftswoche" haben die beiden über das Logistikunternehmen ein Darlehen von insgesamt rund 70 Millionen Euro an die Drogeriekette vergeben. Da das Darlehen dem Vernehmen nach nicht an besondere Sicherheiten gebunden sei, könnten sie nur einen Bruchteil der Summe im Gläubigerverfahren zurückerhalten. Das Vermögen der Familie wurde noch vor drei Jahren auf drei Milliarden Euro geschätzt. Im Vergleich dazu seien sie nicht mehr reich. "Aber die werden genug haben, dass sie überleben", sagte der Sprecher. Die Höhe der Gläubigerforderungen ließe sich noch nicht abschätzen. Derzeit kursierten Werte zwischen 500 Millionen Euro und einer Milliarde Euro. Ein Prüfungstermin für die Forderungen ist für den 19. Juli angesetzt.

Der Betrieb bei Schlecker soll indes weiter laufen - wenn auch mit Einschränkungen. Handschriftlich wird an einer Filiale an der Kastanienallee in Prenzlauer Berg auf die eingeschränkten Öffnungszeiten hingewiesen. "Von insgesamt fünf Mitarbeiterinnen hat sich eine Kollegin schon von der Arbeit abgemeldet", sagt eine Verkäuferin. "Mit vier Leuten können wir an den regulären Öffnungszeiten nicht mehr öffnen." Dennoch soll es ab Montag einen Ausverkauf geben. "Genaues weiß ich noch nicht", sagt die Frau an der Kasse. Die Verkäuferin im weißen Schlecker-Kittel arbeitet seit zehn Jahren und elf Monaten für Schlecker. "Im Juli wären es elf Jahre gewesen", sagt sie. "Einen neuen Job habe ich noch nicht."

Hoffnung gibt es zumindest für die Tochterfirmen IhrPlatz und Schlecker-XL. Der Münchner Investor Dubag strebt nach Medienberichten eine Übernahme an. Dubag wolle die 342 XL-Märkte zu IhrPlatz-Filialen umwandeln, berichtete die "Neue Osnabrücker Zeitung" und berief sich auf IhrPlatz-Insolvenzverwalter Werner Schneider. Die Chancen für die Übernahme der Schlecker-XL-Filialen durch IhrPlatz stünden gut, sagte Schneider dem Blatt zufolge. IhrPlatz verfügt bisher über rund 490 Filialen, knapp 350 würden bei erfolgreichem Deal noch hinzu kommen.