Immobilienblase

Spaniens Bankenkrise eskaliert

Die Folgen der geplatzten Immobilienblase haben das Land nun erwischt. Es gerät stärker in den Sog der Schuldenkrise

- Spanien gerät zusehends in den Strudel der Schuldenkrise. Das Land erlebe gerade einen "extrem schwierigen Moment", räumte Ministerpräsident Mariano Rajoy am Pfingstmontag ein. Die Märkte reagierten tief verunsichert, die Renditen spanischer Staatsanleihen schnellten in die Höhe, und der Risikoaufschlag für die Papiere schoss auf den höchsten Stand seit der Einführung des Euro. Zudem warf das Hilfsgesuch der maroden Sparkasse Bankia einen riesigen Schatten auf den ohnehin angeschlagenen Bankensektor des Landes.

Sollte es nicht gelingen, das Haushaltsdefizit abzubauen, dürfte es für das Land schwierig werden, sich selbstständig zu finanzieren, räumte Rajoy ein. Dennoch beharrte er darauf, dass Spanien kein Banken-Rettungspaket von außen brauche. Der Grund für die steigenden Kosten für Spanien liege in der Unsicherheit über die Euro-Zone, sagte Rajoy. Deshalb müsse Europa die Zweifel am Euro zerstreuen und die Gemeinschaftswährung verteidigen. "Alle Zweifel über die Zukunft der Währung müssen zerstreut werden", sagte er. "Es muss klargestellt werden, dass der Euro ein unumkehrbares Projekt ist."

Am Freitag hatten gleich mehrere Nachrichten für neue Schockwellen gesorgt. Zum einen bat ausgerechnet die reichste autonome Region Spaniens, Katalonien, die Zentralregierung um Finanzierungshilfe. Zudem kommt die schwächelnde Bankenbranche nicht auf die Beine. Allen voran die Sparkasse Bankia, die einen Finanzierungsbedarf von zusätzlich 19 Milliarden Euro anmeldete - insgesamt braucht die Großbank 23 Milliarden Euro. Damit bürdet das Institut dem klammen Land neue Schulden auf. Investoren fürchten, dass die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone infolge der anhaltenden Belastungen nicht umhinkann, unter den Rettungsschirm zu flüchten.

Um den riesigen Hilfsbedarf von Bankia stemmen zu können, erwägt die spanische Regierung offenbar, Staatsanleihen zur Verfügung stellen. Im Gegenzug erhalte sie Anteile an dem bereits teilverstaatlichten Institut, sagte eine mit der Sache vertraute Person. Bankia könnte wiederum die Anleihen als Sicherheit verwenden, um sich Geld von der EZB zu leihen. Somit zöge Spanien die Notenbank in die Restrukturierung seines Bankensystems hinein. Rajoy erklärte jedoch am Montag, mit der EZB nicht über Bankia gesprochen zu haben.

Bankia entwickelt sich immer mehr zur Achillesferse Spaniens. Die Forderung nach weiteren Hilfen kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Da Anleger fürchten, dass Spanien vollends in den Strudel der Schuldenkrise gerissen wird und am Ende doch um internationale Hilfe bitten muss, verlangen sie sehr hohe Zinsen. Am Montag stiegen die Risikoaufschläge spanischer zehnjähriger Staatsanleihen gegenüber als sicher geltenden deutschen Papieren auf den höchsten Stand seit Einführung des Euro. Die Rendite der zehnjährigen Bonds kletterte auf 6,5 Prozent. Viele Experten halten ein Zinsniveau von mehr als sechs Prozent langfristig nicht für tragbar. Sowohl Irland als auch Portugal schlüpften unter den Rettungsschirm, kurz nachdem ihre Renditen die sieben Prozent knackten. Spaniens Finanzminister Ignacio Fernandez Palomero beharrte jedoch darauf, dass das Land seine Schulden problemlos zurückzahlen könne. "Wir sind in einer sehr starken Position", sagte er mit Blick auf Juli und Oktober, wenn große Summen fällig werden.

Angesichts der Sorgen um die angeschlagenen spanischen Banken schloss die Börse in Madrid am Montag auf dem tiefsten Stand seit neun Jahren. Der IBEX-35-Index fiel um 2,17 Prozent auf 6401 Punkte. Dies ist der niedrigste Wert seit dem 27. Mai 2003. Der Bankia-Aktienkurs gab um gut 13 Prozent nach, auch die Kurse von anderen Geldinstituten rutschten nach unten.