Marktbericht

Zitterpartie um den Euro

Thomas Exner über die politische Vertrauenskrise in Europa

Wer bisher noch geglaubt hat, dass sich die neuen Eruptionen der Euro-Krise im Wesentlichen auf Griechenland beschränken würden, sieht sich getäuscht. Die in die Höhe schnellenden Risikoaufschläge für Spanien und Italien signalisieren: Die Krise frisst sich weiter in die Währungsunion hinein. Noch vor Kurzem sollten für die Sanierung des gesamten spanischen Bankensektors weniger als 15 Milliarden Euro ausreichen, nun braucht es allein für die Rettung eines Instituts 23 Milliarden. Wer will es Investoren da verübeln, dass sie den Risiken der Gemeinschaftswährung konsequent auszuweichen versuchen?

Seit mehr als zwei Jahren versucht Europa nun, seine Staatsschuldenkrise in den Griff zu bekommen - mit sehr überschaubaren Ergebnissen. Dafür hat die Idee der europäischen Einigung erheblichen Schaden genommen. Was als Vertrauenskrise der Anleger begonnen hat, hat sich zu einer Vertrauenskrise nicht weniger Bürger Europas ausgewachsen. Nicht umsonst geraten Wahlen in einzelnen Ländern zur gesamteuropäischen Zitterpartie. Genau dies macht die Situation um vieles gefährlicher, als es die früheren Krisenhöhepunkte waren. Notfalls werden Politik und Zentralbank versuchen, die erwartbaren Turbulenzen um das Votum der Griechen herum mit neuerlichen geld- und finanzpolitischen Interventionen zu beruhigen - möglicherweise sogar mit zeitweiligem Erfolg. Doch immer drängender wird eine Frage: Wie lässt sich der Euro in der bisherigen Konstruktion überhaupt noch auf eine dauerhaft stabile Basis stellen?