Marktbericht

Obermann verpasst Anschluss

Thomas Heuzeroth über den glücklosen Telekom-Chef

Viel hatte René Obermann, Chef der Deutschen Telekom, nicht im Gepäck, als er am Donnerstag in Köln auf der Hauptversammlung den Anteilseignern gegenüber trat. Während er sich noch vor einem Jahr auf dem Aktionärstreffen im Glück wähnte, hat ihn inzwischen das Pech eingeholt. Und das gleich an mehreren Stellen. Der geplante Verkauf der US-Mobilfunktochter für 39 Milliarden Dollar ist geplatzt, jetzt sucht Obermann wieder nach einer Lösung. In der Zwischenzeit laufen ihm in Übersee die Vertragskunden davon. Ausgerechnet in dieser Woche musste sich Obermann zudem von seinem Erzkonkurrenten Vodafone deklassieren lassen. Die Düsseldorfer haben hierzulande nicht nur die meisten Mobilfunkkunden, sondern jetzt auch die höchsten Umsätze. Die Telekom dagegen schafft es nicht, in seiner Mobilfunksparte nennenswert zuzulegen. Während sie Milliarden in die Aufrüstung ihrer Netze steckt, profitieren davon vor allem Unternehmen wie Google oder Apple. Sogar die lukrativen Einnahmen aus SMS sind bedrohter denn je, immer mehr Kunden nutzen kostenlose Alternativen wie WhatsApp oder das Apple-Messaging-System iMessage. Und ausgerechnet jetzt startet Konkurrent E-Plus eine Gesprächsflatrate in alle Netze für knapp 20 Euro. Auch das ehrgeizige Ziel, im Unterhaltungsbereich bis 2015 knapp 30 Milliarden Euro umzusetzen, ist bedroht, seit die Telekom die Bundesligaübertragung im Internet verloren hat. Und die Umsätze im Festnetz, nach wie vor der größte Brocken, sinken weiter. Ergebnis: Die T-Aktie schafft nicht den Sprung über die neun Euro.