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Fragwürdige Freundschaftsdienste

Der Börsengang Facebooks geht vor Gericht. Angeklagt sind führende Banken

- Der Kurs fällt und fällt und fällt. Seit Börsenstart hat Facebook trotz der leichten Erholung zum Handelsstart am Mittwoch mehr als 15 Prozent oder 16 Milliarden Dollar an Wert verloren. Der Imageschaden für Facebook ist gewaltig. Kein anderer US-Börsengang im Milliardenbereich hat in den vergangenen fünf Jahren so einen Fehlstart hingelegt - vor allem nicht nach einem solchen Hype. Vor allem Anleger fühlen sich über den Tisch gezogen und suchen nach den Schuldigen für das Debakel.

Facebook zeigt wieder einmal, was dabei herauskommt, wenn Euphorie und Renditehunger sich hochschaukeln. Am Ende kommt es zu einem großen Knall. Die Blase platzt. "Facebook ist ein klassisches Beispiel für die Gier von Investoren", sagte der Chef des Vermögensverwalters Vanguard, Jack Bogle, dem Fernsehsender CNBC. Alle Parteien hätten sich zu sehr von der Sehnsucht nach dem schnellen Geld treiben lassen: Institutionelle Anleger, die Banken die den Börsengang organisierten und Facebook selbst. "Die Nachricht lautet also: Wenn alle an einer Transaktion beteiligten Parteien gierig sind, dann kommt das heraus, was wir gerade bei Facebook gesehen haben."

Besonders die am Börsengang beteiligten Finanzhäuser lieferten Investoren nun eine Steilvorlage, dass beim Börsengang nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Besonders die US-Investmentbank Morgan Stanley, die den Börsengang federführend organisierte, steht in der Kritik. So soll das Finanzhaus die Geschäftsprognosen für Facebook kurz für Börsenstart überraschend gesenkt, diese Informationen aber nicht mit allen Anlegern geteilt haben. "Das passierte noch während der Werbetour - so was habe ich in den vergangenen zehn Jahren nicht erlebt", sagt ein Insider einer Fondsgesellschaft, den Morgan Stanley über die korrigierte Vorhersage informiert hatte. Auch andere Banken wie JPMorgan, Goldman Sachs und Bank of America/Merrill Lynch hätten vor dem Börsengang ihre Prognosen gesenkt, sagten Insider. Diese Informationen seien aber nur über Telefon- und Videokonferenzen an einige Großinvestoren gegangen. Viele Kleinanleger blieben im Dunkeln.

Das ist besonders pikant, weil Morgan Stanley kurz vor dem Börsengang sowohl den Ausgabepreis als auch die Zahl der in den Handel gehenden Aktien erhöhte - und dabei offenbar Bedenken in den Wind schlug. "Morgan Stanley hat sich zu sehr vom Facebook-Hype anstecken lassen und die Stimmung auf dem Markt völlig falsch eingeschätzt", sagt der Investor Keith Wirtz dem Blog "Business Insider".

Für viele Anleger ist der Facebook-Börsengang ein hässliches Beispiel für ein System, das den Großinvestoren Vorteile verschafft - und den einfachen Anleger benachteiligt. Eine Anwaltskanzlei aus Los Angeles reichte deswegen eine Sammelklage gegen Facebook und die Konsortialbanken ein, darunter gegen Morgan Stanley. Facebook sei "eine der größten Betrügereien der US-Geschichte, verübt am einfachen Investor", wetterte Kolumnist Dana Blankenhorn vom Börsendienst "The Street".

Ein Investor hat auch die New Yorker Technologiebörse Nasdaq verklagt. Der Ansturm der Anleger hatte am Freitag das Softwaresystem der Börse zum Erliegen gebracht. Anleger verloren deshalb zum Teil viele Millionen Dollar. Zudem ermittelt die Börsenaufsicht SEC.