Berliner Unternehmerin des Jahres

Eine gute Idee ist der Anfang von allem

Drei Frauen sind als "Berliner Unternehmerin des Jahres" nominiert

- Bei Katrin Rohnstock hat es mit dem Tod von Prinzessin Diana im Jahr 1997 begonnen. Damals kam sie beim Einkaufen mit einer Frau ins Gespräch. Die sagte ihr: "Die Geschichte meines Großvaters ist für mich viel spannender als das Schicksal dieser englischen Prinzessin." Rohnstock, die damals eine bunte Geisteswissenschaftler-Karriere als Germanistin, Journalistin und Kleinverlegerin vorweisen konnte, ging sofort ein Licht auf: Wäre das nicht eine Geschäftsidee, im Auftrag nichtprominenter Menschen Erinnerungen und Lebensgeschichten zu verfassen?

Ein Jahr später fing sie an, in einem ungemütlichen Büro mit Außentoilette. Die Banken knauserten. Denn das was Rohnstock da machen wollte, gab es schlichtweg noch nicht in Deutschland. Jetzt, 14 Jahre später, residiert Rohnstock Biografien ansehnlich an der Schönhauser Allee - und hat 26 Mitarbeiter. Katrin Rohnstock richtet Erzählsalons aus und hat Deutschland den Beruf des Autobiografikers gebracht. Vor allem aber hat sie gezeigt, wie man mit Energie und Durchhaltewillen ein erfolgreiches Unternehmen gründen kann.

Katrin Rohnstock ist eine von drei Frauen, die für den Preis "Berliner Unternehmerin des Jahres" nominiert sind. Zum sechsten Mal vergeben das Land Berlin und die landeseigene Förderbank IBB diesen Preis. Frauen sollen dadurch zur Selbstständigkeit ermuntert werden. Zwar ist Berlin deutsche Gründerhauptstadt. Auf 10.000 Erwerbstätige kommen hier mehr als 116 Gründer - so viele wie nirgends sonst in Deutschland. Allerdings ist von den rund 33.000 Menschen, die pro Jahr den Schritt in die Selbstständigkeit wagen, nur jeder dritte weiblich. Was auch wirtschaftlich nicht vorteilhaft ist, wie IBB-Vorstandschef Ulrich Kissing, sagte. Frauen gingen in aller Regel viel gründlicher vorbereitet in das Abenteuer Unternehmertum. "Und sie kalkulieren vorsichtiger und wollen nicht so viel Kreditsumme wie Männer", sagt Kissing.

Gründliche Vorbereitung und langes Nachdenken haben sich die drei nominierten Unternehmerinnen - die Siegerin wird am 9. Juni gekürt - jedoch nicht gegönnt. Bei allen waren es mehr oder weniger Verlegenheitsgründungen. Sie wurden gemacht, gegen die eigenen Zweifel und die von außen. Die drei Frauen waren zum Erfolg verdammt.

So war es auch bei Brigitte Groß. Sie gründete 1990, im Jahr der Deutschen Einheit, die Firma Alpha-Board - denn das Technikinstitut, wo sie zu DDR-Zeiten als Ökonomin gearbeitet hatte, wurde aufgelöst. Sie verschickte stapelweise Bewerbungen. Und bekam stapelweise Absagen zurück. Mehr aus Verzweiflung heraus gründete sie die Firma Alpha-Board, ein Unternehmen, das Leiterplatten konstruiert und designt.

Zulieferung für Satelliten

Die von Groß' Firma entwickelten Träger für elektronische Bauelemente stecken in Satelliten und dem A380. Aktuell hat das Unternehmen von 26 Mitarbeiter. Brigitte Groß sagt: "Wenn ich mit meiner Firma Steuern zahlen muss, bin ich froh. Das heißt dann: dem Unternehmen geht es gut." Derzeit läuft es rund, Brigitte Groß übergibt so langsam die Leitung ihrer Firma an den Sohn. Es ist ein wertvolles Erbe, das verpflichtet.

Barbara Jaeschke hat ebenfalls etwas aufgebaut, sichtbar im Straßenbild von Prenzlauer Berg. Jaeschke ist Gründerin des GLS-Sprachenzentrums. Dazu gehören: eigener Campus für Sprachschüler an der Kastanienallee und seit kurzem das denkmalgeschützte Stadtbad an der Oderberger Straße. Dort soll das Schwimmbad wieder hergerichtet und die Sprachschule von Barbara Jaeschke um ein Hotel erweitert werden.

1983 begann sie als Unternehmerin, damals Einzelkämpferin. "Ich entstamme der Generation arbeitsloser Lehrer. Taxi fahren wollte ich nach dem Studium nicht", sagt Jaeschke. Heute beschäftigt Jaeschke fast 200 Mitarbeiter. Bei GLS werden pro Jahr 4000 Menschen in Deutschkursen unterrichtet. Gleichzeitig organisiert die Firma Sprachreisen und Austauschprogramme für Schüler. "Meine Firma ist mein viertes Kind", sagt Jaeschke. Manchmal, sagt sie, scherzen die Kinder, es sei auch ihr Liebstes. Es ist Respekt, verpackt in innerfamiliäre Spöttelei.

Die Senatorinnen Sybille von Obernitz (CDU, Wirtschaft) und Dilek Kolat (SPD, Arbeit) betonten den Vorbildcharakter der drei Frauen. "Das Bild vom Unternehmer ist immer noch männlich geprägt"; sagte Kolat. Immerhin weiß die IBB zu berichten, das bei ihren Gründerkunden die Zahl der Frauen steigt. Mit 42 Prozent liege der Anteil deutlich über dem Durchschnitt für Deutschland und Berlin, sagte IBB-Chef Kissing.