Marktkommentar

Die Dänen feuern Moody's

Nando Sommerfeldt

Nando Sommerfeldt lobt den Pragmatismus der Skandinavier

Die Skandinavier machen es mal wieder vor. Während man hierzulande seit Jahren über die Ratingagenturen schimpft und ihnen Willkür vorwirft, sind die Dänen schon einen Schritt weiter - sie feuern einfach die Analysten.

Hintergrund: Die US-Agentur Moody's vertritt die Auffassung, dass die dänischen Banken nur auf eingeschränkte Hilfe vom Staat hoffen können, da dieser ein mittelgroßes Geldhaus im vergangenen Jahr in die Pleite schlittern ließ. Das sehen die Banken selbst natürlich ganz anders und kritisieren, dass ihnen durch diese Einschätzung ein Nachteil gegenüber den Konkurrenten aus den anderen skandinavischen Ländern entstehe.

Und die dänischen Banker sind offensichtlich Freunde der Tat. Das Institut Nykredit kündigte im April die Verträge mit Moody's. Nykredit ist das größte Hypothekeninstitut des Landes und größter Emittent von Hypothekenanleihen, die mit Hauskrediten besichert sind, in Europa. Davor hatten sich schon zwei weitere Geldhäuser von der Ratingagentur getrennt.

Jetzt verliert auch die größte Bank Dänemarks, Danske Bank, ihre Geduld mit Moody's. Ihr Chef Eivind Kolding erklärte gegenüber Bloomberg: "Wir stimmen hier in Dänemark ganz und gar nicht mit Moody's überein. Sie sind der Ansicht, dass die systemische Unterstützung in Dänemark geringer ist als in Schweden, was vollkommen falsch ist", schimpfte Kolding. "Die Analysten verstehen die systemische Unterstützung in Dänemark einfach nicht."

Klingt so, als hätte Moody's in Dänemark bald noch weniger zu tun.