Unternehmen

Facebook-Börsengang kurz vor dem Ziel

| Lesedauer: 3 Minuten
Karsten Seibel

Die Auftragsbücher sollen wegen hoher Nachfrage wohl bereits am heutigen Dienstag geschlossen werden

- Es könnte die Woche des Mark Zuckerberg werden. Am Montag feierte der Facebook-Gründer seinen 28. Geburtstag. Am Freitag soll die Aktie des sozialen Netzwerks mit dem Kürzel FB erstmals an der Technologiebörse Nasdaq gehandelt werden. Wenn alles gut läuft, hätten Zuckerbergs 534 Millionen eigene Facebook-Aktien dann einen Wert von knapp 20 Mrd. Dollar. Und es scheint gut zu laufen: Die Nachrichtenagentur Bloomberg meldete unter Berufung auf informierte Kreise, dass bereits am Dienstag nach Handelsschluss und damit einen Tag früher als gedacht die Banken keine Aufträge mehr für Aktien des Internetunternehmens annehmen. Offiziell wurde dies nicht bestätigt.

Zuvor hatte schon der Fernsehsender CNBC berichtet, dass der Börsengang so überzeichnet sei, dass Facebook sogar die Preisspanne anheben könnte. Bisher liegt sie bei 28 bis 35 Dollar pro Aktie. Mit dem aktuell möglichen Höchstpreis würden die Einnahmen bei 11,8 Mrd. Dollar liegen. Es wäre der größten Internetbörsengang weltweit und einer der größten in der Börsengeschichte der USA.

Der Wahrheitsgehalt solcher Meldungen ist in der heißen Phase eines Börsengangs schwer zu ergründen. Häufig werden sie von interessierter Seite in den letzten Tagen der Zeichnungsphase gestreut, um Druck auf zögernde Investoren auszuüben. Umgekehrt bedienen sich aber auch Fondsmanager und andere institutionelle Anleger gerne der Öffentlichkeit, um mit Negativschlagzeilen den Preis vielleicht doch noch ein wenig zu drücken.

Wobei Facebook zuletzt selbst für einen Teil der kritischen Berichte sorgte. Vergangene Woche hatte das Unternehmen in einer neuen Version des Börsenprospekts eine Schwäche seines bisherigen Geschäftsmodells eingeräumt. Die vielen Nutzer, die von Smartphones und Tablet-Computern auf das Online-Netzwerk zugreifen, bringen demnach vergleichsweise wenig Umsatz. Dabei nutzen 488 Millionen der 901 Millionen Mitglieder Facebook von mobilen Geräten aus. Bei der laufenden Werbetour für die Aktie weise Facebook Analysten darauf hin, dass ihre Erwartungen zum Umsatzwachstum verfehlt werden könnten, ist zu hören.

Deutsche Privatanleger müssen sich keine Gedanken darüber machen, ob sie die Aktie noch schnell zeichnen sollen oder nicht. Aus dem Ausland haben höchstens Profis eine Chance. Da hilft auch nicht, dass die Deutsche Bank zum Bankenkonsortium gehört, das Mark Zuckerberg bei dem Börsengang berät und die Stücke verkaufen soll. Selbst wenn die Deutsche Bank wollte, sie dürfte die Aktien hierzulande ihren Filialkunden nicht anbieten. Dies liegt schon daran, dass es den mehr als 200 Seiten dicken Börsenprospekt nicht in deutscher Sprache gibt. In den USA wurden neben großen Investoren gezielt Privatanleger angesprochen. Vor allem über den Onlinebroker ETrade können diese die Papiere zeichnen.

Der Vorteil für deutsche Anleger: Sie können sich den Start der Aktie in New York in Ruhe anschauen und dann entscheiden, ob sie zu dem dann aufgerufenen Preis tatsächlich dabei sein wollen. Diese Orders müssen sie nicht direkt an der Nasdaq aufgeben. Den Auslandsaufschlag von 15 Euro und mehr bei Onlinebrokern für solche Überseeorders können sie sich sparen. Die deutschen Börsen in Frankfurt, München, Stuttgart, Düsseldorf und Berlin sowie die Handelsplattform Tradegate beziehen die Aktie "zeitgleich" in ihren Handel ein.