Ver.di

Schlecker-Rettung in Gefahr: 3800 frühere Mitarbeiter klagen

Die Chancen auf einen Verkauf der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker sinken weiter - und damit auch die Chancen auf ihre Rettung: Die Verhandlungen zwischen Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz und der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di kommen nicht voran.

- Geiwitz fordert, dass die verbliebenen 13.000 Mitarbeiter etwa zwei Jahre lang oder maximal bis Ende 2014 auf rund 15 Prozent ihres Einkommens verzichten. Das würde Schlecker um rund 36 Millionen Euro pro Jahr entlasten. Ver.di wehrt sich allerdings dagegen.

Der Streit über den Lohnabschlag ist aber nicht das Einzige, was Schlecker unverkäuflich zu machen droht. Denn die Flut der Kündigungsschutzklagen steigt: 3850 von knapp 10.000 Ende März entlassenen Schlecker-Mitarbeitern wehren sich per Gericht gegen ihre Entlassung. Und fast täglich kommen neue Fälle dazu. "Mit so vielen Klagen hatte ich nicht gerechnet", räumte Geiwitz ein. Die kaum abzuschätzenden Risiken aus diesen Klagen schrecken die Investoren jetzt zusätzlich ab. "Ich kann eine gewisse Ernüchterung nicht verbergen", sagte Verwalter Geiwitz der "Berliner Morgenpost". Die Gespräche mit drei am Kauf interessierten Investoren liefen jedoch weiter. Dennoch schloss Geiwitz nicht mehr aus, dass er seinen Zeitplan zur Schlecker-Rettung überarbeiten muss. Bisher hatte er angekündigt, bis Pfingsten in der Investorenfrage klarzusehen. Das wird er jetzt wohl nicht mehr schaffen.

Ein Ver.di-Sprecher reagierte mit Unverständnis auf die Kritik des Insolvenzverwalters: "Wir lassen uns von Herrn Geiwitz nicht den Schwarzen Peter zuschieben. Wir haben mehrfach signalisiert, dass wir zu Zugeständnissen bereit sind. Die Forderung nach 15 Prozent der Personalkosten überschreitet jedoch jedes erträgliche Maß", heißt es in der Ver.di-Zentrale in Berlin. Geiwitz hält dagegen: "Ich verlange doch nichts Unanständiges von Ver.di. Dieser Punkt bedeutet nur etwa ein Drittel dessen, was wir an Sanierungsbeiträgen brauchen. Zwei Drittel kommen von anderen, etwa von der Industrie oder den Vermietern. Bei diesen zwei Dritteln sind wir auf gutem Wege, nur bei den Beiträgen der Mitarbeiter nicht." Komme es nicht zu einer Einigung, werde Schlecker wohl weiterhin Verluste einfahren. "Es sind auch unter diesen ungünstigen Umständen schon Unternehmen verkauft worden. Aber leichter wird es damit nicht."