Vattenfall

Rückschlag für Biomasse-Projekt

Vattenfall verzichtet auf Holz aus Liberia und sucht neue Lieferanten - auch für Berliner Kraftwerke

- Ein Makel haftet am schwedischen Energiekonzern Vattenfall, den er nur zu gern loswerden würde: Vattenfalls Ruf als Kohleverfeuerer und CO2-Sünder. Große Hoffnungen setzt das Unternehmen daher in die Brennstoff-Alternative Biomasse, entwässerte und komprimierte Holzreste. Doch nun verkündet Vattenfall das Aus für eine tragende Säule seiner Biomasse-Strategie: Die zwei Jahre währende Arbeit mit einem kanadischen Konzern an einem großangelegten Holzimport aus dem afrikanischen Liberia wird eingestellt. Die Erwartungen hätten sich nicht erfüllt. Im Klartext: Es gab zu wenig Holz, das obendrein noch zu teuer war.

Das Ende dieses Projekts trifft Berlin in mehrfacher Hinsicht. Zum einen hat Vattenfall mit einem weltweit beachteten Pilotprojekt im Kraftwerk Reuter West gezeigt, dass sich Holzpellets problemlos herkömmliche Kohle ersetzen können. Zudem plant das Unternehmen an mehreren Standorten in der Stadt den Einsatz von Biomasse. So soll im Kraftwerk Moabit der Pellet-Anteil im kommenden Jahr auf 40 Prozent steigen. In Lichtenberg werden, so ist bislang der Plan, bis 2019 neben dem Gaskraftwerk zwei Biomasse-Meiler entstehen. Für seine anderen europäischen Kraftwerke will Vattenfall ebenfalls in großem Stil Pellets verfeuern. Doch wo sollen die nun herkommen?

Neue Verhandlungen

"Wir sind dabei, neue Lieferverträge auszuhandeln", sagt Vattenfall-Sprecher Hannes Hönemann. Nun schaue man eher in Richtung Kanada und USA, um dort das nötige Holz zu beschaffen. Lieferengpässe seien nicht zu befürchten. Mit dem Ende des Liberia-Projektes ist Vattenfall gleich noch einen weiteren Makel los. Umweltschützer hatten in den vergangenen zwei Jahren ökologische und soziale Mängel gemutmaßt. Diese Diskussion hat sich erst einmal für Vattenfall erledigt.

Allerdings wackelt nun die Biomasse-Strategie noch ein bisschen mehr. Unwägbarkeiten gab es von vornherein. Denn neben der Beschaffung des nachwachsenden Brennstoffs ist die Wirtschaftlichkeit der Pellet-Befeuerung längst noch nicht gegeben. " Es entsteht gerade erst ein richtiger Markt für die Brennstoffe", sagt Hönemann. Dennoch plant Vattenfall, bis 2020 gut ein Drittel seiner CO2-Emissionen vor allem durch den Einsatz von Biomasse einzusparen. Darüber hinaus schloss der Konzern mit Berlin eine Klimaschutzvereinbarung. Demnach soll der CO2-Ausstoss aus Anlagen in der Hauptstadt bis 2020 um 50 Prozent sinken - gemessen am Ausgangsjahr 1990. Auch hier soll Biomasse einen großen Anteil leisten.

Fest steht bisher nur, dass der Pellet-Anteil im Kraftwerk Moabit im nächsten Jahr steigen soll. Dann werden dort 300.000 Tonnen Holzabfälle verfeuert. Derzeit sind es 40.000 Tonnen. Diese Menge zu beschaffen sei kein Problem, sagt Hönemann. Problematischer kann es jedoch für den Standort Klingenberg in Lichtenberg werden. Dort will das Unternehmen sein altes Kohlekraftwerk ersetzen. Bis 2016 entsteht ein Gaskraftwerk mit einer Kapazität von 450 Megawatt für die Wärmeerzeugung und 580 Megawatt für elektrische Energie. Dafür gibt es einen Bebauungsplan; das Projekt läuft. Weniger weit vorangeschritten sind die beiden Biomasse-Meiler, die insgesamt 150 Megawatt Wärme und 40 Megawatt Strom erzeugen können. Das erste Kraftwerk soll 2017 fertig sein, Teil zwei 2019. Ein Bebauungsplan existiert bislang nicht.

Auf politischer Ebene trommelt der Konzern seit geraumer Zeit dafür, dass Biomasse als regenerative Energie ähnlich gefördert werden sollte wie Wind und Sonne. In einigen europäischen Ländern ist dies bereits der Fall, in Deutschland jedoch nicht. Göran Lundgren, der konzernweit das Thema Biomasse betreut, rechnet vor: Die Stromerzeugung mit Kohle kostet derzeit etwa 16 bis 18 Euro pro Megawattstunde. Um dieselbe Energiemenge mit unbehandelten Holzpellets zu produzieren, müsste man 28 bis 30 Euro ausgeben. Er wünscht sich eine staatliche Förderung für Biomasse in Deutschland. Kommt die nicht, dann hofft man bei Vattenfall, dass bei steigenden Preisen für Kohle und CO2-Verschmutzungsrechte Biomasse als Alternative schnell wirtschaftlich lohnend wird.