Stromnetze

Chef der Netzagentur warnt vor Stromausfällen in Deutschland

Auch rund ein Jahr nach der Atomwende ist die Gefahr von Stromausfällen nach Einschätzung der Bundesnetzagentur nicht gebannt.

- "Die Situation ist angespannt", sagte der neue Chef der Behörde, Jochen Homann, am Freitag in Bonn. Es gebe keinen Grund zur Entwarnung. In der Zeit von Dezember 2011 bis März 2012 sei allein dreimal auf die sogenannte Kaltreserve zurückgegriffen worden. Dabei handelt es sich um ältere Kraftwerke, die seit der Abschaltung von acht der 17 deutschen Atomkraftwerke 2011 für Engpässe als Notreserve vorgehalten werden.

Der seit März amtierende Behördenchef forderte einen schnelleren Ausbau der Stromnetze und den Bau neuer konventioneller Kraftwerke. "Ich gehe davon aus, dass wir im kommenden Winter keine wesentlich andere Situation haben als im vergangenen Winter", sagte der frühere Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium. Er rechne damit, dass auch im kommenden Winter eine Kaltreserve von rund 1000 Megawatt vorgehalten werden müsse. Die Netzbetreiber müssten hierzu rechtzeitig neue Verträge mit Kraftwerksbetreibern schließen. Im vergangenen Winter gehörten auch Anlagen aus Österreich dazu.

Nach der Abschaltung von acht Atomkraftwerken von E.on, RWE, EnBW und Vattenfall sollen die restlichen neun Meiler bis Ende 2022 vom Netz gehen. Zugleich werden auch andere Kraftwerke stillgelegt. In einem Szenario geht die Bundesnetzagentur davon aus, dass sich bis 2014 der Bau neuer Anlagen mit einer Gesamtleistung von rund zwölf Gigawatt in etwa die Waage hält mit der Leistung der Anlagen, die stillgelegt werden.

Unklar sei aber, wie es sich anschließend in der Zeit bis 2020 verhalten werde, in der weitere Kraftwerke mit einer Leistung von 15 bis 16 Gigawatt gebaut werden müssten. Eine ähnliche Größenordnung war auch bei einem Energiegipfel am Mittwochabend im Kanzleramt genannt worden. Der Bedarf könnte sogar noch größer ausfallen, wenn mehr Kraftwerke, etwa aus betriebswirtschaftlichen Gründen, stillgelegt werden, als bislang angenommen wurden.