Marktbericht

Keine Rettung in Sicht

Hagen Seidel über die verfahrene Lage bei Schlecker

Noch ist Schlecker nicht verloren. Noch ist Zeit, über die Konditionen zu streiten, mit denen die 13.000 Jobs gerettet werden können. Doch die Wahrscheinlichkeit schwindet, dass Schlecker eine Zukunft hat. Schon seit dem Insolvenzantrag im Januar war unklar, welche Wachstumsstory mögliche Investoren bei Schlecker sehen mögen. Jetzt allerdings droht der Streit um den finanziellen Hilfsbeitrag der Mitarbeiter und die Klageflut entlassener Mitarbeiter endgültig zum Mühlstein für das Unternehmen zu werden. Wer kauft schon eine Firma mit lädiertem Image, beachtlichem Investitionsbedarf und extrem starken Wettbewerbern, der noch Millionenrisiken durch Klagen und schon bald wieder rote Zahlen durch hohe Kosten drohen?

Rettung ist nicht in Sicht. Denn auf der einen Seite kann man von der Gewerkschaft kaum verlangen, dass sie sich bei den Einkommen so weit drücken lässt, dass die Balance innerhalb der Branche verloren geht. Eine "Lex Schlecker" würde sofort ähnliche Forderungen der Wettbewerber zur Folge haben.

Auf der anderen Seite muss der Insolvenzverwalter neben den Einkaufspreisen und Mieten zunächst auch die Löhne drücken, um möglichen Investoren eine Gewinnperspektive zu bieten. Sollte sich nicht doch noch ein wundersamer Ausweg auftun, wird nur noch das brutalste Reinigungsinstrument der Marktwirtschaft bleiben: die Abwicklung. Die Verantwortung für dieses schlimmste aller Szenarien ist dann allerdings weniger bei Ver.di oder Insolvenzverwalter Geiwitz zu suchen als bei Anton Schlecker und dessen Unternehmensführung.