Übernahme

Der Klinik-Deal steht noch auf der Kippe

Fresenius muss 90 Prozent aller Rhön-Klinikum-Aktien einsammeln

- Wenn Fresenius-Chef Ulf Schneider ein neues Übernahmeziel ins Auge fasst, verfährt er ähnlich wie der legendäre Pate aus Francis Ford Coppolas gleichnamigen Mafia-Epos: Er macht ein Angebot, das sein Gegenüber nicht ablehnen kann. So auch bei seiner jüngsten Überraschungsofferte, jene an den privaten Klinikbetreiber Rhön Klinikum. 22,50 Euro je Aktie bietet der Gesundheitskonzern aus Bad Homburg für den größten Konkurrenten der eigenen Klinik-Tochter Helios - anderthalb mal mehr, als Rhön beim letzten Schlusskurs am Mittwoch im MDax wert war. Das Angebot ist so gut, dass die Mehrzahl der Aktionäre aller Wahrscheinlichkeit nach nur auf das offizielle Schreiben an die Finanzaufsicht wartet, um ihre Zustimmung zu erteilen. Allein: Es ist an eine Bedingung geknüpft. Mindestens 90 Prozent aller Aktien will Fresenius mit Ablauf der Angebotsfrist kontrollieren, sonst ist die Offerte nichtig.

Der Grund für die hohe Mindestannahmequote: Zum einen strebt Fresenius nach eigenem Bekunden einen schnellen "Squeeze-out" aller restlichen Aktionäre an, zum anderen ließ Rhön-Klinikum-Gründer und Ex-Chef Eugen Münch vor seinem Ausscheiden eine Sperrminoritäten-Klausel in der Satzung verankern: Wer zehn Prozent der Stimmrechte hält, kann alle relevanten Entscheidungen bei Rhön blockieren.

Das könnte nun zum Stolperstein für den Käufer werden. Denn bei fast jeder Übernahme bleibt ein Rest von zwei bis drei Prozent der Aktionäre, die auch auf hartnäckige Briefe ihrer Bank nicht reagieren. Zudem befinden sich weitere zwei bis drei Prozent der Rhön-Papiere im Besitz von Index-Fonds, die auf eine erste Offerte gar nicht reagieren dürfen, solange der Wert im MDax gelistet ist. Damit könnte ein Großinvestor zum Erpresser werden, mit wenigen Prozent der Aktien Druck ausüben und mehr Geld verlangen.

Diese Unsicherheit ist dem Rhön-Management recht, denn der Vorstand um Chef Wolfgang Pföhler würde nach der Übernahme nicht Teil der gemeinsamen Unternehmensführung. Helios-Chef Francesco De Meo sagte am Freitag, er wolle die neue Gruppe wie bisher allein vom Helios-Stammsitz Berlin aus führen. Pföhler gab sich nach Bekanntgabe des Angebots verstimmt und überrascht. "Wir haben mit Vorstand und Aufsichtsrat gesprochen und sie vorab über unsere kommende Offerte informiert", sagte ein Fresenius-Sprecher dazu.

Anscheinend hofft Rhön auf ein weiteres, preistreibendes Angebot aus dem Kreis der Helios-Konkurrenten. Die Münchner Sana-Gruppe etwa hatte laut Unternehmenskreisen bereits Gespräche mit Rhön geführt, die jedoch gescheitert waren. Gründer Münch sagte, er habe mit mehreren Konkurrenten gesprochen, sich am Ende jedoch fest für Helios entschieden. Bleibt er dabei, hat dank der Sperrklausel kein anderer Anbieter eine Chance. Einen höheren Preis schloss Fresenius-Finanzchef Stephan Sturm kategorisch aus: "Das ist nicht geplant."