Daimler

Wenn gut nicht gut genug ist

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Nikolaus Doll

Daimler verbucht das beste erste Quartal der Konzerngeschichte - und gilt doch als Verlierer. Die Konkurrenz verdient mehr

- Man muss sich gar nicht mit den ganz großen Szenarien wie der Finanzkrise beschäftigen, um festzustellen, dass es an den Märkten bisweilen seltsam zugeht. Der Fall Daimler ist ein anschauliches Beispiel. Die Stuttgarter haben in den ersten drei Monaten unterm Strich 1,42 Mrd. Euro verdient. Das ist an sich schon gut und außerdem im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um ein sattes Fünftel. Dieses erste Quartal war das beste in der Unternehmensgeschichte, und das obwohl hohe Kosten für den Anlauf von Werken, wie der Pkw-Fabrik in Ungarn oder dem indischen Lkw-Standort aufs Ergebnis drücken. Analysten hatten derart gute Zahlen nicht erwartet und wohl auch nicht, dass Daimler-Chef Dieter Zetsche, sonst eher vorsichtig mit Prognosen, noch einen draufsetzte: "Wir werden unsere Ziele in diesem Jahr und unsere mittelfristigen Ziele erreichen", kündigte er an. 2020, so das Ziel, soll Mercedes die absatzstärkste und profitabelste Premiummarke sein.

Hoher Verlust im Busgeschäft

Doch all das reicht nicht. Kaum waren die Zahlen draußen, rutschte die Daimler-Aktie in den Keller, am Ende gehörte sie zu den Verlierern im Dax. Dabei ist die Skepsis der Anleger nur ein Teil des Daimler-Problems: das erste lautet Audi und BMW. Mercedes als Marke ist gut, aber die Konkurrenz ist nicht nur besser, sie zieht immer deutlicher davon. 338.000 Pkw hatten die Stuttgarter im ersten Quartal verkauft, bei Audi waren es 340.000 Fahrzeuge, dazu kommen noch 77.000 Autos, die Audi mit dem chinesischen Partner FAW baut. Weiter vorn liegt BMW mit 425.500 Fahrzeugen einschließlich Mini und Rolls Royce.

Und auch was die Profitabilität im Pkw-Geschäft angeht, hinkt Mercedes hinterher. 8,4 Prozent beträgt die operative Rendite, bei der VW-Tochter Audi blieben im ersten Quartal 11,4 Prozent Gewinn hängen. Bei BMW, dort werden die Zahlen nächste Woche veröffentlicht, liegt die Marge nach Morgenpost-Informationen über der von Audi.

Wer die Daimler-Bilanz ganz akribisch durcharbeitet, findet dort derzeit wenig, was auf einen Verlierer schließen lässt. Richtig ist, dass die Lkw-Sparte an Schwung verloren hat. Dort schrumpfte der Gewinn im ersten Quartal um sieben Prozent, die Rendite ging ebenfalls zurück. Die Bussparte steht weiter unter verschärfter Beobachtung, dort hat sich im traditionell schwachen ersten Vierteljahr der operative Verlust von minus 33 auf minus 103 Mio. Euro verdreifacht.

Das Auf und Ab an der Börse ist für alle notierten Konzerne eine Herausforderung, für Daimler allerdings eine besonders große. Anders als im Fall von BMW oder Volkswagen fehlt der große Ankeraktionär, eine Anlegergruppe, die mit ihrer Mehrheit bei Turbulenzen Ruhe in den Konzern bringen kann. Bei Volkswagen sind das die Familien Piëch und Porsche sowie das Land Niedersachsen, bei BMW ist es die Familie Quandt - ohne beziehungsweise gegen die Familien und die Politik läuft nichts bei den beiden Automobilherstellern. Anders bei Daimler: Dort halten derzeit institutionelle Anleger 66,5 Prozent des Grundkapitals, private Investoren 20,4 Prozent. Mit rund neun Prozent der Anteile ist der Staatsfonds Aabar des Emirats Abu Dhabi der größte Einzelaktionär - die Frage ist nur, wie lange noch. Gerüchte, dass das Emirat aussteigen und seine Anteile an dem Stuttgarter Autobauer abstoßen will, machen trotz Dementis aus Stuttgart weiter die Runde.