Fluggesellschaften

Lufthansa prüft eigene Billig-Linie

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Umbauprogramm soll Flugkonzern wieder Gewinne einbringen. Angriff auf Easyjet, Ryanair und Air Berlin

- Die Lufthansa spielt angesichts der harten Konkurrenz die Gründung einer Billig-Fluglinie durch. Die Planungen für ein solches Angebot befänden sich derzeit erst im Projektstadium, sagte ein Konzernsprecher am Freitag. "Es gibt noch keinen Beschluss über die Umsetzung oder über die Namensgebung." Intern laufe das Projekt unter dem Titel "Direct 4 you". Ziel sei es, im Wettbewerb mit Billig-Fliegern Marktanteile im Direktverkehr in Europa zu sichern, sagte der Sprecher. Über die Pläne hatte zuerst die "Bild"-Zeitung berichtet.

Die Lufthansa verdient ihr Geld vor allem mit Langstreckenfliegern, die von den Großflughäfen Frankfurt und München starten. Mit vielen anderen Verbindungen in Europa werden Verluste eingeflogen. Im innereuropäischen Verkehr muss sie sich gegen die billige Konkurrenz wie Ryanair oder Easyjet behaupten, auf den Langstrecken etablieren sich mit Etihad und Emirates ernst zu nehmende Wettbewerber aus den Golfstaaten. Hinzu kommen hohe Treibstoffkosten aufgrund eines anhaltend hohen Rohölpreises.

Deswegen hat die Konzernspitze dem Unternehmen einen harten Sparkurs verordnet. Ende vergangene Woche wurde bekannt, dass die Airline angesichts des harten Wettbewerbs mit Rivalen wie Emirates - oder eben den Billigfliegern - knapp eine Milliarde Euro mehr Gewinn aus ihrem Passagiergeschäft holen will. Konzernweit sollen es bis 2014 mindestens 1,5 Milliarden Euro werden. Die Flotte soll nicht mehr wachsen, Strecken gestrichen oder von der Billigtochter Germanwings betrieben werden. Auch hier seien Kündigungen nicht auszuschließen, so die Airline.

Bei Lufthansa selbst arbeiten rund 40.000 Menschen, im gesamten Konzern einschließlich der Tochterfluggesellschaften und den Technikbereichen sind es 120.000 Mitarbeiter. Zudem plant die Airline einem Zeitungsbericht vom Donnerstag zufolge, weltweit 3000 der 6000 Arbeitsplätze in den Verwaltungsbereichen Finanzen, Personal und Buchungen abzubauen - 1500 davon in Frankfurt. Die Lufthansa bestätigte die genannten Details nicht. Der Konzern hatte 2011 einen Verlust von rund 13 Millionen Euro gemacht.

Mit der Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens am 3. Juni will Lufthansa die Zahl der von Berlin aus angeflogenen Nonstop-Ziele von elf auf 39 erhöhen und sich damit erkennbar gegen den größten inländischen Konkurrenten Air Berlin aufstellen. Den würde eine Billiglinie der Lufthansa treffen, soll "Direct 4 you" doch die innereuropäische Verbindungen von der Lufthansa übernehmen, die hart umkämpft sind, berichtete die "Bild"-Zeitung. An den Start gehen soll die Gesellschaft bereits am 1. Januar 2013. Dabei würden die Lufthansa-Töchter Germanwings und Eurowings zusammengeführt. Sitz der neuen Gesellschaft solle Berlin und Köln sein. Bis 2015 sollen bis zu 90 Flugzeuge sowie sämtliche Mitarbeiter in die neue Gesellschaft integriert werden. Für die Mitarbeiter im Cockpit, der Kabine und am Boden bedeute das schlechtere Tarifbedingungen.

Germanwings hat von der Lufthansa das Vielfliegerprogramm und Firmenverträge übernommen, die Piloten haben annähernd den gleichen Tarifvertrag. 2011 verbuchte die Lufthansa-Tochter einen operativen Verlust von 52 Millionen Euro. Mit einer Flotte von 30 Maschinen ist Germanwings kleiner als die Konkurrenten Ryanair und Easyjet, die seit Jahren den deutschen Markt aufmischen. Eurowings hat 23 Kurz- und Mittelstreckenjets im Einsatz.

( BM )