Mitarbeiterzufriedenheit

Bahn-Manager sollten besser nett sein

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Nikolaus Doll

Vergütung wird auch an die Zufriedenheit der Mitarbeiter gekoppelt

- Ab Mitte November will es die Deutsche Bahn ganz genau wissen - von ihren Beschäftigten. Dann startet der Konzern eine Befragung von rund 210.000 Mitarbeitern in Deutschland und möglichst vieler der 100.000 DB-Angestellten bei den ausländischen Tochtergesellschaften. Der Morgenpost liegt der umfangreiche Fragebogen vorab vor, und er bietet den Bahnern genug Möglichkeit, richtig Dampf abzulassen. Für den Konzernvorstand wird es aber entscheidend sein, dass die Belegschaft möglichst milde über ihr Management urteilt. Denn die Höhe der Bezüge des Vorstandes hängt ab diesem Jahr ganz maßgeblich davon ab, ob die Belegschaft mit ihrer Spitzenmannschaft zufrieden ist. Doch die Motivation der Vorstände ist nicht das einzige Ziel, das Bahnchef Grube mit der Aktion verfolgt.

Da wäre zum einen die "wichtige Ventilfunktion" derartiger Befragungen, wie es in einem internen Papier der Bahn heißt. All jene, denen etwas unter den Nägeln brennt, sollen die Gelegenheit bekommen, Probleme offen, freiwillig und anonym anzusprechen. Ob "Führungskräfte Anerkennung für besonderen Einsatz zeigen und faire Rückmeldung zur geleisteten Arbeit geben", soll man beispielsweise angeben. Oder ob "gute berufliche Entwicklungsmöglichkeiten" bestehen, ob man "über wesentliche Dinge des Arbeitsbereichs ausreichend informiert" wird, "Beruf und Privatleben gut vereinbar sind" oder der "Umgang kollegial sowie respektvoll" ist. Die Aktion ist nicht ganz ohne Risiko für Grube und seine Spitzenleute, denn das Ergebnis der letzten Frageaktion war ein Desaster. Anfang 2010 lautete das Ergebnis, dass gut 70 Prozent der Beschäftigten bei der Bahn mit ihrem Arbeitsplatz und den dortigen Bedingungen unzufrieden sind. Massenweise wurde über Frustration geklagt.

Jetzt soll einer Fragewelle, die von GfK Trustmark durchgeführt wird, bis Mitte November eine Reihe von Mitarbeiterveranstaltungen folgen, in der die Führungskräfte die Ergebnisse mit der Belegschaft durcharbeiten müssen. Und dabei will Grube seine leitenden Mitarbeiter ordentlich in die Pflicht nehmen. Wie es in den internen Vorgaben heißt, sollen die anschließenden Runden "auch diejenigen Führungskräfte verpflichten, die mit ihren Mitarbeitern besonders dringend in den Dialog treten müssten, dies aber bei freiwilligen Workshops nicht tun". Für Chefs, die überwiegend einen Konfrontationskurs steuern, dürfte das eine große Herausforderung werden. Entsprechende Workshops seien allerdings auch "bewährt bei Führungskräften, die bereits gut sind. Denn gut kann auch noch besser werden", steht im Planungskonzept. "Die Mitarbeiter sollen spüren, dass die Frageaktion Folgen hat, dass es Veränderungen gibt", sagt ein Manager.

Doch auch die Konzernvorstände werden ein besonderes Interesse daran haben, dass dieses Ziel erreicht wird. Bei ihnen machte das Festgehalt weniger als ein Drittel aus, der Rest sind variable Bestandteile, zumindest 2010 war das so. Ab 2012 setzen sich diese Boni aus vier Komponenten zusammen, wobei die Punkte Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit zu 50 Prozent ins Gewicht fallen. Es ist also eher eine Untertreibung, als Bahnchef Grube zu Beginn des Jahres ankündigte, jeder Vorstand werde "ab sofort die Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit im eigenen Portemonnaie spüren".