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Apple ist nicht zu stoppen

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Benedikt Fuest und Thomas Heuzeroth

Technologiekonzern verbucht dank iPhone und iPad neuen Rekord

- Viel hatten die Beobachter von Apple nicht erwartet. Seit Tagen geht der Aktienkurs des wertvollsten Unternehmens der Welt zurück. An den Verkaufsrekord im Weihnachtsgeschäft, so die Überzeugung, werde der Konzern kaum anknüpfen können. Weit gefehlt. "Ein unglaubliches Quartal", sagte Apple-Chef Tim Cook knapp - und präsentierte dann die besten Zahlen, die Apple jemals für den Zeitraum von Januar bis März vorlegen konnte. Der Gewinn hat sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum fast verdoppelt, Apple hat zwischen Januar und März 11,6 Milliarden Dollar (8,8 Milliarden Euro) verdient. Der Umsatz legte um fast 60 Prozent auf mehr als 39 Milliarden Dollar zu.

Längst ist Apple kein Computerkonzern mehr. 58 Prozent seines Geschäftes geht inzwischen auf das iPhone zurück. Kein anderes Smartphone verkauft sich so gut wie das Gerät aus Cupertino. Im vergangenen Quartal waren es gut 35 Milliarden iPhones, die Apple losschlagen konnte. 88 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Das war die eigentliche Überraschung. Im traditionell starken Weihnachtsgeschäft hatte Apple nur unwesentlich mehr iPhones verkauft. Dabei hatten viele Apple-Kunden ihre iPhone-Käufe aus dem dritten Quartal aufgeschoben, weil sie das neuste Modell kaufen wollten. Trotzdem wurden Apple auch nach der Jahreswende die Geräte regelrecht aus der Hand gerissen.

Damit ist der Konzern nach wie vor der unangefochtene König im Smartphone-Segment, und kann immer neue Kunden zum Wechsel überzeugen: "Das iPhone ist immer noch das beste Gerät auf dem Markt, wenn es darum geht, Kunden traditioneller Mobiltelefone zum Kauf eines Smartphones zu verlocken", erklärte Cook den anhaltenden Erfolg.

Die iPad-Verkaufszahlen lagen im zweiten Quartal mit 11,8 Millionen verkauften Tablets knapp unter denen des Weihnachtsquartals. Apples Geschäftsjahr endet im September, die Monate Januar bis März liegen also im zweiten Geschäftsquartal. Allerdings kam das iPad 3 erst spät im Quartal auf den Markt, viele Kunden hatten in Erwartung der Neuerung ihren iPad-Kauf hinausgezögert. Trotzdem nannte Cook den Launch den erfolgreichsten Produktstart der Apple-Geschichte. "Das neue iPad brennt geradezu", sagte Apple-Finanzchef Peter Oppenheimer. Bislang hat Apple in den zwei Jahren seit dem Start des ersten iPads 67 Millionen Geräte verkauft - bei den traditionellen Computern hatte der Konzern noch 24 Jahre benötigt, um auf diese Zahl zu kommen. Apple verkaufe das iPad so schnell wie die Geräte gebaut werden könnten.

China wird immer wichtiger

Dass Apple nach wie vor schnell wächst, verdankt der Konzern auch seinem Geschäft in China, wo das Unternehmen fünfmal mehr iPhones verkaufen konnte als im Vorjahresquartal. Inzwischen kommt jeder fünfte Dollar, den Apple umsetzt, aus China, Hongkong, Macao und Taiwan. "Es gibt enorme Möglichkeiten für Unternehmen, die China verstehen", sagte Apple-Chef Cook. "Wir tun alles, was wir können, um dem Markt so gut es geht zu dienen." Im Streit um den Markennamen iPad musste Apple in China jedoch einen Dämpfer hinnehmen. Die Regierung in Peking stellte sich in ihrer ersten öffentlichen Äußerung in dem Fall auf die Seite des chinesische Unternehmens Proview Technology, das die Marke für sich beansprucht. "Nach den Bestimmungen des chinesischen Markenrechts ist derzeit Shenzhen Proview der rechtmäßige Besitzer des Markennamens iPad."

Weniger gut lief für Apple das jüngste Quartal bei den anderen Geräten im Produktportfolio: Die Verkäufe von Mac-Computer konnten nur noch langsam wachsen, sie legten um acht Prozent zu. Speziell bei den Macbooks warten die Apple-Kunden auf die nächste Generation, die Mitte des Jahres erwartet wird. Zwar wächst Apple damit deutlich schneller als der Markt. Doch nicht zuletzt greifen viele Nutzer lieber zum iPad als sich ein neues Notebook zuzulegen. Der verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs selbst hatte den Wandel zur Post-PC-Ära ausgerufen.

Apple-Chef Cook bezweifelt den Erfolg von Hybrid-Geräten, die zugleich Notebook und Tablets sind. Mehrere Hersteller haben solche Produkte bereits in Aussicht gestellt, nicht zuletzt, um dem Erfolg des iPads etwas entgegenzusetzen. Apple will diese Geräte-Kategorien auseinander halten. Cook: "Man kann auch einen Toaster und einen Kühlschrank zum Konvergieren zwingen, aber das wird die Nutzer wahrscheinlich nicht überzeugen."

Erneut muss Apple einen Rückgang von 15 Prozent bei seinem Musikspieler iPod melden, weil immer mehr Kunden inzwischen nur noch auf ihrem Smartphone Musik hören. Das tun sie jedoch reichlich: Apples Musikstore iTunes trug mit knapp zwei Milliarden Dollar zum Umsatz bei, und legte damit um 35 Prozent zu. Der Clouddienst iCloud konnte zudem seit Marktstart 125 Millionen Nutzer gewinnen.