Teilhaber

Berliner Volksbank sucht neue Genossen

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Hans Evert

Institut lockt neue Teilhaber, um sich gegen Krisen zu schützen. Zahl der Filialen soll sinken

- Deutschlands größte Volksbank ist auf der Suche nach neuen Teilhabern. "Wir wollen in den nächsten Jahren noch mehr Kunden von der Genossenschaftsidee überzeugen und sie zu Mitgliedern und damit zu Eigentümern der Bank machen", sagte Holger Hatje, Vorstandschef der Berliner Volksbank. Geworben werden sollen sowohl Privat- wie Firmenkunden. Auf diese Art und Weise will die Volksbank krisensicherer werden. Mit dem Geld der neuen Genossen soll der Sicherheitspuffer, im Bankendeutsch Kernkapitalquote, gestärkt werden.

Hintergrund sind die härteren Anforderungen, die deutsche und europäische Aufsichtsbehörden an Banken stellen. Durch die Euro-Krise sind die Institute erheblichen Risiken ausgesetzt - daher sollen sie ihr Sicherheitskapital erhöhen. Die Volksbank kommt für das abgelaufene Geschäftsjahr auf eine Kernkapitalquote von 9,3 Prozent. Das bedeutet: 9,3 Prozent aller Anlagen, die die Bank tätigt, sind durch eigene Mittel abgesichert. Mit dieser Quote erfüllte die Volksbank aktuell die Anforderungen. Bis 2019 muss die Quote auf mindestens 10,5 Prozent steigen, unter Umständen sogar auf 13 Prozent. Das dafür nötige Geld will sich die Volksbank bei ihren Kunden beschaffen. Im Herbst will das Geldhaus eine große Werbeaktion starten.

Volks- und Raiffeisenbanken weisen im Gegensatz zu börsennotierten Geldhäusern wie der Deutschen Bank eine Reihe von Besonderheiten auf. Sie gehören einer großen Zahl von Genossen, die Anteile erworben haben. Diese Anteile werden, anders als Aktien, nicht an der Börse gehandelt. In aller Regel muss man Genossenschaftsanteile mindestens ein Jahr lang halten. Das macht die Volks- und Raiffeisenbanken stabiler als börsennotierte Institute, die mit ihren Anteilen den täglichen Schwankungen der Finanzmärkte unterliegen. In aller Regel sind die Genossen selber Kunden einer Volksbank, also Firmen oder Privatleute. Die Idee entstand im 19. Jahrhundert, als sich Kleingewerbetreibende, mit denen große Banken kein Geschäft machten, zusammenschlossen, um eine Bank zu gründen.

Einen Anteil an der Berliner Volksbank kann man aktuell für 52 Euro erwerben. Dafür gibt es eine Dividende, ähnlich der Aktie. Aktuell sind es vier Prozent. Zugleich haften die Genossen als Eigentümer aber auch, wenn es schlecht läuft.

Doch aktuell gehen die Geschäfte bei der Berliner Volksbank gut. "Unsere Erwartungen wurden übertroffen", sagte Hatje. Die Bank vergab eine Milliarde Euro neue Kredite im vergangenen Jahr. Gleichzeitig flossen dem Institut 500 Millionen Euro Kundengeld zu. Eigenen Angaben zufolge erzielte die Bank bei der Vermittlung von Baufinanzierungen, Versicherungen und Ratenkrediten das beste Ergebnis ihrer Geschichte. Unter dem Strich steht für 2011 ein Gewinn von 13,5 Millionen Euro (2010: 12 Millionen Euro).

Insgesamt hat die Bank 618.000 Kunden in Berlin und Brandenburg. Das waren rund 4000 weniger als im Jahr zuvor. Die Volksbank erklärt diesen Schwund mit Bereinigungen des Bestands. Viele Kunden seien doppelt geführt worden. Dennoch spürt die Volksbank den harten Wettbewerb. Bis 2013 wird das Filialnetz überprüft. Tendenziell, so heißt es in der Bank, wird es zu Schließungen kommen. Die Mitarbeiter sollen an anderen Standorten weiterbeschäftigt werden. Ende 2011 beschäftigte die Volksbank 2200 Leute. Sie verteilten sich auf 132 Filialen, von denen 47 in Brandenburg liegen.