Energie

Windkraftprojekt in der Nordsee wird für Siemens zum Desaster

Hohe Verluste beim Windkraftgeschäft in der Nordsee verhageln Siemens den Jahresgewinn.

- Vorstandschef Peter Löscher senkte die Prognose am Mittwoch von 6,0 Milliarden auf 5,2 bis 5,4 Milliarden Euro. "Es gab klare Fehler bei uns im Hause," sagte Löscher: "Komplett unterschätzt haben wir die Komplexität dieser Projekte." Bei der Anbindung großer Windparks vor Helgoland und Borkum ans deutsche Stromnetz liegt Europas größter Elektrokonzern ein Jahr hinter dem Zeitplan zurück. Deshalb muss Siemens Vertragsstrafen an den Netzbetreiber zahlen und außerdem zusätzliches Personal einstellen, um den Rückstand nicht noch größer werden zu lassen. Die bisherige Gewinnprognose müsse hauptsächlich wegen der Probleme um 600 bis 800 Millionen Euro nach Steuern gesenkt werden, sagte der Konzernchef.

Die Anlagen in der deutschen Nordsee seien viel größer, viel weiter von der Küste entfernt und technisch viel komplizierter als zum Beispiel die Windparks vor Großbritannien, sagte Löscher. Über die beiden Siemens-Plattformen Borwin 2 und Helwin 1 hätten ab nächstem Jahr fast drei Millionen Haushalte in Deutschland mit grünem Strom versorgt werden sollen - aber das Projekt ist mittlerweile ein Jahr verspätet.

Noch stärker belastete die Dauerbaustelle Nokia Siemens Networks (NSN) den Konzern: Die Sanierung der Telefonnetz-Tochter und der Abbau von weltweit 17. 000 Stellen kostete Siemens im zweiten Quartal 640 Millionen Euro. Diese Größenordnung war allerdings schon lange angekündigt und in der alten Gewinnprognose bereits berücksichtigt gewesen.

Enttäuschend war der Auftragseingang im zweiten Quartal des Siemensgeschäftsjahres: Wegen der gedämpften Weltkonjunktur und des härteren Preiskampf um Großaufträge fiel er um 13 Prozent auf 17,9 Milliarden Euro und blieb damit deutlich unter dem Umsatz.

( dpa )