Marktbericht

Auf wackeligen Beinen

Andrea Rexer

Andrea Rexer über den flüchtigen Erfolg der US-Banken

Es war ein Schuss vor den Bug. "Glaube bloß nicht, dass wir die Krise schon vergessen haben", lautete die Botschaft der Citigroup-Aktionäre. Die Mehrheit verweigerte den Gehaltswünschen von Vikram Pandit die Zustimmung. Der Chef der US-Großbank hatte angesichts der guten Zahlen seines Hauses fast 15 Millionen Dollar absahnen wollen. Tatsächlich zeigt das Quartalsergebnis der Citigroup, dass es aufwärts geht. Das gilt auch für die anderen Häusern an der Wall Street. Selbst das Sorgenkind, die Bank of America machte 328 Millionen Dollar Gewinn. Wenig zwar, aber die Experten hatten Schlimmeres erwartet. Auch JP Morgan Chase, Goldman und vor allem Morgan Stanley glänzen wieder.

Doch der Erfolg der US-Institute steht noch immer auf wackeligen Beinen. Sollte die US-Wirtschaft von ihrem Erholungskurs wieder abkommen, wäre es schnell vorbei mit den schönen Zahlen. Denn das Kerngeschäft enttäuschte: Die Einnahmen aus Kreditvergaben und Kreditkarten-Geschäften dümpeln auf geringem Niveau. Was brummt, ist der Wertpapierhandel - und das Hypothekengeschäft dank rekordniedriger Zinsen und üppiger Förderprogramme.

In Europa wird der Jubel bei Veröffentlichung der Quartalsergebnisse kommende Woche nicht ganz so groß sein. Die Branche ist hierzulande nur verhalten optimistisch. Denn in Südeuropa läuft die Konjunktur schlecht, in Nordeuropa lahmt sie bestenfalls. Das zeigt auch ein Blick an die Börse: Die Kurse steigen zwar, aber die gehandelten Volumina bleiben niedrig. "Die Investoren trauen dem Braten nicht", sagt Konrad Becker von der Privatbank Merck Finck.