Marktbericht

Die Macht der Neuen

Jan Dams über Stolz und Schadenfreude in der Euro-Krise

Man kann die Südamerikaner und die anderen Schwellenländer verstehen. Ausgerechnet jetzt, da es den Europäern schlecht geht, da sie wegen der Euro-Krise um Wohlstand und auch Einfluss in der Welt fürchten, sollen Staaten wie Brasilien, Indien oder China die Krisenmittel des Internationalen Währungsfonds aufstocken. Die deutlich ärmeren Schwellenländer müssten also den reichsten Ländern der Welt unter die Arme greifen. Jahrzehntelang hat Europa auf diese Staaten herabgesehen. Jetzt aber, da sich die Euro-Zone in einer existenziellen Krise befindet, haben wir kein europaweit akzeptiertes Rezept, die Probleme in den Griff zu bekommen. Deshalb betteln wir, dass uns die lange Zeit belächelten Schwellenländer an ihrem Erfolg teilhaben lassen. Sollten Indien und Brasilien nun heimliche Schadenfreude empfinden, hilft das aber nicht weiter - weder Europa noch ihnen selbst. Die Wirtschaft ist weltweit so eng vernetzt, dass ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone immense ökonomische Folgen hätte - auch für die Schwellenländer.

Angesichts dieser Lage sollten Brasilien und die anderen aufstrebenden Nationen ihr Ja zur Aufstockung der Krisenmittel geben. Wer, wie diese Staaten, international auf mehr Einfluss in den IWF-Gremien dringt, muss die damit verbundene Verantwortung übernehmen. Damit ist aber auch klar, dass der Westen angesichts seiner wirtschaftlichen und institutionellen Schwäche nicht mehr daran vorbeikommt, diesen Ländern mehr Einfluss auf der politischen Weltbühne einzuräumen. Für die Durchsetzungsfähigkeit unseres europäischen Wertesystems in der Welt verheißt das nichts Gutes.