Ferdinand Piëch

Und zum Geburtstag die Ducati

VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch wird 75 Jahre - und kauft die nächste Firma

- Die schönsten Geburtstagsgeschenke macht sich Ferdinand Piëch wohl immer selbst: An diesem Dienstag wird der Milliardär und mächtigste Mann der europäischen Autoindustrie 75 Jahre alt, und am Mittwoch dürfte der VW-Aufsichtsrat unter seiner Leitung den Kauf des Motorradherstellers Ducati beschließen. Piëch gilt als Fan der sportlichen Zweiräder aus Italien - sie würden zur zwölften Marke im Volkswagen-Konzern. Schon vor fünf Jahren, zu seinem 70. Geburtstag, hatte sich der Österreicher üppig beschenkt: Piëch übernahm via Einstieg seiner Familienfirma Porsche endgültig die Kontrolle bei Volkswagen. Inzwischen ist der Sportwagenbauer als Marke im VW-Konzern eingegliedert. Branchenkenner glauben, dass der Enkel des legendären Käfer-Konstrukteurs und Gründers der Sportwagenschmiede Porsche, Ferdinand Porsche, damit sein Lebenswerk vollendet hat: die Firmen Porsche und VW wieder zusammenzuführen.

Piëch kam 1937 in Wien als Sohn des Rechtsanwalts Anton Piëch und von Louise Porsche zur Welt. "Burli", wie der kleine Piëch genannt wurde, wuchs mit Autos auf: Sein Vater leitete in der Zeit des Nationalsozialismus das Werk in Wolfsburg. Großvater Ferdinand und Onkel Ferry konstruierten nach Kriegsende die ersten Sportwagen. Mutter Louise übernahm den VW-Import nach Österreich.

Piëch selbst studierte in Zürich Technik, dann ging er zu Porsche in die Versuchsabteilung. Nach vier Jahren war er Abteilungsleiter, nach weiteren fünf Jahren technischer Geschäftsführer. Als er Porsche 1972 wegen Familienquerelen verlassen musste, wechselte Piëch zu Audi. Auch hier setzte er seine Ideen durch: Allradantrieb, TDI-Motor, rostfreie Karosserie. Piëch machte Audi zu einer Perle im VW-Konzern, 1988 wurde er Chef in Ingolstadt. Mit Modellen wie dem Quattro oder dem V8 wurde Audi von einer Fahrer-mit-Hut-Marke zum Premiumhersteller.

Als die Muttergesellschaft VW 1992 in einer tiefen Krise steckte, wurde Piëch nach Wolfsburg gerufen, wo er die Belegschaft aus Kostengründen von einer Fünf- auf eine Vier-Tage-Woche setzte und die Zulieferer zu bitteren Zugeständnissen zwang. Neuauflagen der VW-Modelle Golf und Passat wurden unter seiner Leitung zum Hit und zogen die Marke aus der Krise. Im Jahr 2002 schied Piëch als VW-Vorstandschef aus und übergab die Geschäfte an den von ihm ausgesuchten Nachfolger Bernd Pischetsrieder. Er selbst wurde Chef des Aufsichtsrates - und mischte sich ab 2005 offensiv in die VW-Geschäfte ein. Gegen den Willen von Pischetsrieder setzte er den früheren IG Metall-Funktionär Horst Neumann als Personalvorstand durch. Gleichzeitig begann Porsche mit dem Kauf von VW-Aktien. Ein Jahr später drängte Piëch Pischetsrieder aus dem Amt und installierte seinen Weggefährten aus Audi-Tagen Martin Winterkorn an der VW-Spitze.

Mit Winterkorn am Ruder und Piëch als Aufsichtsratschef griff der Konzern an: Im Übernahmekampf mit Porsche schlug sich Piëch auf die Seite von VW und Winterkorn - Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking als Angreifer musste gehen, die Marke Porsche wurde in den Konzern eingegliedert. Am Donnerstag auf der VW-Hauptversammlung wird Piëch für fünf weitere Jahre in den Aufsichtsrat gewählt. Für die Zeit danach hat er schon vorgesorgt: Seine erst 56 Jahre alte Ehefrau Ursula wird in den Aufsichtsrat gewählt.