Handel

"Es gibt keinen Anlass zur Schadenfreude"

Die Drogeriekette Rossmann wächst kräftig - und winkt bei Schlecker vorerst ab

- Dirk Roßmann wirkt glücklich und zufrieden in seiner neuen Firmenzentrale. Der langjährige Konkurrent Schlecker liegt am Boden und hat den Platz zwei in der Drogeriemarktbranche - hinter dm - frei gemacht für Rossmanns Kette. Sein Gewinn ist im vergangenen Jahr gestiegen, der Umsatz kletterte zweistellig und übersprang in der 40-jährigen Firmengeschichte erstmals die Fünf-Milliarden-Euro-Marke. "Wenn ich unzufrieden wäre, hätte ich doch einen Dachschaden", lacht der Firmengründer. Zur Jahres-Pressekonferenz hatte der 65-Jährige neben seiner Geschäftsleitung auch die beiden Söhne Daniel und Raoul mitgebracht - im Unternehmen verantwortlich für Expansion und Einkauf. Sie sollen ihn irgendwann ablösen. Wann das passieren soll, verraten die Roßmänner nicht - der Senior will noch ein paar Jahre weitermachen. "Es wird keinen abrupten Wechsel geben, wir planen einen weichen Übergang", sagt Daniel Roßmann, bei seinem ersten großen Medienauftritt. Und überhaupt sei das Fünf-Milliarden-Unternehmen groß genug für die ganze Familie. Die Mutter ist ebenfalls Geschäftsführerin. Jedenfalls werde es den Wechsel geben, "bevor der Papa mit dem Kopf zu wackeln beginnt", scherzt Roßmann.

Ob es dann noch einen Konkurrenten Schlecker geben wird, darüber will der Senior nicht spekulieren. Er sehe "keinen Anlass zur Schadenfreude", denn den Konkurrenten und vor allem die 11.000 entlassenen Mitarbeiter trifft es hart. Seine Anwälte hätten ihm außerdem empfohlen, jeden Satz über Schlecker genau zu überlegen, grinst er. Die Schlecker-Führung haben die Ursache für das heutige Malheur - veraltete Sortimente und Konzepte - zu lange ignoriert, führt Roßmann an. "Schlecker hat so weitergemacht wie bisher." Dass er von den 3000 verbliebenen Filialen des ehemaligen Marktführers allenfalls 50 bis 80 wirtschaftlich spannend findet - daraus macht der Mann, der vor 40 Jahren Deutschlands ersten Drogeriemarkt eröffnet hatte, keinen Hehl. Ein von Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz favorisiertes Gesamtgebot sei für ihn jedoch kein Thema, stellte Roßmann klar: "Ich habe gesagt, dass ich an einzelnen Standorten interessiert bin. Für große Lösungen steht Rossmann nicht zur Verfügung."

Deutschlands zweitgrößte Drogeriekette will ihre gestärkte Position nach der Insolvenz des Rivalen ausbauen und dem neuen Branchenführer dm auf den Pelz rücken. "Ich möchte nicht unbedingt die Nummer eins sein. Aber ich möchte immer so dicht dran sein, dass die Nummer eins meinen Atem spürt", sagt Roßmann. Die Erlöse stiegen im vergangenen Jahr um 10,5 Prozent. Das Familienunternehmen konnte nach eigenen Angaben im vorigen Jahr auch den Gewinn vor Zinsen und Steuern kräftig erhöhen. Er betrug laut Roßmann drei Prozent des Umsatzes von 5,12 Milliarden Euro, das wären rechnerisch 154 Millionen Euro. Zum Ergebnis unterm Strich machte er keine exakten Angaben - es seien mehr als 100 Millionen Euro. "Wir haben den Überschuss um 11,5 Prozent steigern können", sagt Rossmanns Finanzchef Roland Frobel.

Die Unternehmensgruppe soll auch weiter kräftig wachsen. Im laufenden Jahr sollen 160 Millionen Euro in die Eröffnung von 230 neuen Läden investiert werden, darunter 110 neue Geschäfte in Deutschland. Neue Auslandsmärkte wie etwa die Nachbarländer Österreich und die Schweiz sollen zunächst aber nicht erschlossen werden. Für die nächsten zwei bis drei Jahre sehe man keine neuen Länder. Das Unternehmen ist neben Deutschland noch in Polen, Ungarn, Tschechien, Albanien und der Türkei aktiv.

Das Personal für die zahlreichen Neueröffnungen will der 65-jährige Unternehmer auch aus dem Pool der ehemaligen Schlecker-Beschäftigten gewinnen. Er könne sich weiterhin vorstellen, dass nach der Schließung von mehr als 2000 Filialen viele der gekündigten "Schlecker-Frauen" auch in seiner Firma unterkommen, sagte Roßmann. "Wie viele es werden, können wir konkret nicht sagen. Aber die meisten der gekündigten Mitarbeiter haben gute Chancen, in Deutschland einen Arbeitsplatz zu bekommen. In Süddeutschland finden wir zum Beispiel gar keine Leute", sagte er, räumte jedoch ein, dass die Chancen auf eine Anstellung außerhalb der Großstädte deutlich geringer seien.