Marktbericht

Automatisch mehr Stabilität

Tobias Kaiser über die ewige Rentendebatte

Vor knapp einem Jahr forderten die Wirtschaftsweisen die Rente ab 69, anders seien die Sozialsysteme künftig nicht finanzierbar. Die Forderung war unbequem und mag für viele Arbeitnehmer wie eine Zumutung geklungen haben. Die Proteste der Gewerkschaften ließen denn auch nicht lange auf sich warten. Doch die Warnung der Spitzenökonomen war berechtigt. Die Fakten sprechen eine klare Sprache: Die Lebenserwartung steigt, die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter sinkt, und Ruheständler beziehen heute im Durchschnitt doppelt so lange Rente wie noch vor 40 Jahren. Wenn die Renten auch in Zukunft ausreichen sollen, ohne dass junge Arbeitnehmer durch die Zahlungen an die Rentenkasse zu stark belastet werden, bleibt nur, die Lebensarbeitszeit zu verlängern.

Der Vorschlag des Internationalen Währungsfonds, das Rentenalter künftig automatisch mit der Lebenserwartung steigen zu lassen, ist daher sinnvoll. Die regelmäßig erneut aufbrechende Debatte über die Rente mit 67 zeigt, wie schwierig es ist, fiskalische Sachzwänge in Gesetzesform zu gießen, wenn es um den Ruhestand geht. Im Parteienstaat werden Politiker notwendige Rentenreformen so lange wie möglich hinauszögern, um Wähler-Unmut und innerparteilichen Streit zu vermeiden. Eine Indexierung des Rentenalters könnte die notwendige Anpassung der emotionalen öffentlichen Debatte entziehen. Vor allem aber brächte solch ein Automatismus mehr Stabilität und Zuverlässigkeit. Und auf die kommt es bei der Rente schließlich an - für Rentner und Beitragszahler gleichermaßen.