Aktienmarkt

Die Liste des Schreckens

Commerzbank und Praktiker gehören erstmals zu den größten Geldvernichtern. Der "Vorjahressieger" ist inzwischen pleite

- Sie ist die Liste des Schreckens, von manchen wird sie schlicht Todesliste genannt: die Reihung mit den 50 größten Kapitalvernichtern am deutschen Aktienmarkt. "Taucht eine Gesellschaft dort auf, ist dies ein Warnsignal, das jeder Aktionär ernst nehmen sollte", sagte Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), bei der Präsentation der diesjährigen Namen.

Der Tsunami in Japan und die Schuldenkrise ließen die Aktienkurse 2011 reihenweise abstürzen. Besonders hart traf es erneut die Solarbranche. Mit einem Verlust von mehr als 99 Prozent im Verlauf der vergangenen fünf Jahre führt der Solaranlagenbauer Conergy die Liste der größten Kapitalvernichter an. Schon im Vorjahr lag Conergy auf Platz sechs. Auch der höchste Neueinsteiger kommt aus dem Bereich Sonnenenergie. Phoenix Solar belegt direkt Platz fünf. Das Unternehmen vernichtete zwischen dem 1. Januar und dem 31. Dezember 2011 fast 91 Prozent des von Sparern angelegten Geldes. Ein Blick auf das Aktienschicksal langjähriger Weggefährten aus der Branche macht wenig Hoffnung: Solon, Spitzenreiter der letztjährigen Liste, ist mittlerweile genauso insolvent wie Q-Cells, vor zwölf Monaten die Nummer drei.

"Die hohe Präsenz von Werten aus der Solarbranche zeigt deutlich, dass Anleger sich hüten sollten, bei ihren Investitionsentscheidungen Trends als Grundlage zu nutzen", sagte Tüngler. Gerade wenn es um eine Branche gehe, deren Geschäftsmodell am Subventionstropf des Staates hänge. Kaum ein Trost für alle Conergy-Aktionäre ist, dass ihr Unternehmen eigentlich nur auf Platz zwei gelandet wäre, doch dann ging der Holzwerkstoff-Konzern Pfleiderer pleite und machte den Spitzenplatz frei. In die Auswertung kommen alle rund 360 Aktien des besonders streng regulierten Marktsegments Prime Standards der Deutschen Börse. Sie müssen zudem bereits fünf Jahre gelistet sein.

Zum dritten Mal nacheinander in den Top drei landete Corporate Equity Partners. Das ist ein Rekord in der Geschichte der DSW-Watchlist. Dies zu schaffen, ohne in die Insolvenz zu gehen, sei fast schon eine Kunst, hob Tüngler hervor. "Im Prime Standard hat in den vergangenen Jahren kein Unternehmen derart konsequent das investierte Kapital der Aktionäre vernichtet", sagte er. Die Beteiligungsgesellschaft war einst aus dem Neuer-Markt-Wert Fantastic hervorgegangen.

Doch unter den größten Kapitalvernichtern finden sich nicht nur Aktien, deren Kurse einst von einem Börsentrend in ungerechtfertigte Höhen katapultiert wurden. Auch vermeintlich etablierte Unternehmen sind dort zu finden. Den größten Sprung machte die Baumarktkette Praktiker von Platz 50 auf Platz 6. Die Commerzbank findet sich auf Platz 9 wieder. Es ist, je nach Sichtweise, die höchste oder niedrigste Platzierung des Instituts, an dem der Staat noch mit 25 Prozent beteiligt ist.

Doch auch in die umgekehrte Richtung kann es gehen. Der Bezahlsender Sky Deutschland rutschte dank sehr viel geringerer Kursverluste 2011 von Platz elf auf Position 34 ab, die Marseille-Kliniken sogar von sieben auf 41. Und mit der Deutschen Bank verabschiedete sich ein Dax-Konzern gleich wieder ganz aus der Liste der 50 größten Kapitalvernichter. Im Vorjahr nahmen die Frankfurter noch Platz 48 ein. Dem Energieversorger RWE trauen die Aktionärsschützer einen Ausstieg in diesem Jahr zu. "Da die RWE-Papiere im Jahr 2012 bereits eine respektable Aufholjagd hingelegt haben, gehen wir davon aus, dass der Auftritt in der Watchlist ein einmaliges Ereignis war", so Tüngler. Die Stammaktien des Energieversorgers sind auf Rang 31 zu finden. Auf der Hauptversammlung in der kommenden Woche müsse das Management allerdings zeigen, wie es die Herausforderungen der kostspieligen Energiewende meistern wolle, so die DSW-Forderung.