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Eine Milliarde Dollar für einen Zwerg - und Shootingstar

Facebook kauft mit Instagram einen Konkurrenten

- Die Instagram-Nutzer sind aufgebracht: "Facebook verdient Instagram nicht", schreibt eine Nutzerin des Web-Fotodienstes auf Twitter. "Die schlimmsten Nachrichten überhaupt!", kommentiert ein anderer. Die Diskussion darüber, dass das Online-Netzwerk das Start-up für eine Milliarde Dollar (762 Millionen Euro) übernimmt, zeigt, wie nervös und fragil der Markt im sozialen Web ist.

Denn Instagram ist gerade einmal gut zwei Jahre alt - und war wohl dennoch eine gefühlte Bedrohung für Facebooks Vorreiterschaft unter den sozialen Medien. Seit seiner Gründung im März 2010 hat Instagram einen kometenhaften Aufstieg hingelegt und dabei noch stärker als andere von der mobilen Revolution im Internet profitiert. Mehr als 30 Millionen Smartphone-Besitzer nutzen die App, mit der sie per Filter Fotos in Retro- oder Polaroid-Optik erzeugen, mit Kommentaren und Ortsmarken versehen und über das Web verbreiten können. Zum Vergleich: Facebook kam nach eigenen Angaben bis Ende 2011 auf weltweit 845 Millionen monatlich aktive Nutzer.

Bei einem Kaufpreis von einer Milliarde Dollar bezahlt Facebook also etwa 33 Dollar für jeden Nutzer von Instagram. Das ist nur ein Bruchteil dessen, was Investoren für jeden Facebook-Nutzer zahlen würden: Sollte das soziale Netzwerk beim Börsengang tatsächlich mit 100 Milliarden Dollar bewertet werden, wären das nämlich 118 Dollar für jeden Facebook-Nutzer.

Instagram konnte sich zunehmend als Foto-Zentrale des sozialen Internets etablieren. Mit der App lassen sich Fotos einfach verbreiten und sind häufig auch noch automatisch mit Ortsmarken versehen - was besonders Werbekunden interessiert. Facebook ist dabei nur noch ein Kanal. Dabei will Gründer Mark Zuckerberg Zentrum des Social Web sein - vor allem nach dem Börsengang im Mai. "Ein Prozent der Marktkapitalisierung aufzugeben, um die größte Bedrohung auszuschalten, ist ein schlauer Zug", kommentierte daher Internet-Investor Chris Dixon das Geschäft. Für Facebook zählen Fotos zu den wichtigsten Inhalten. 20 Prozent aller täglichen Besucher der Plattform kommentieren Bilder, ergab eine Studie des Meinungsforschungsinstituts Pew aus dem vergangenen Juni. Mit der weltweit rasant wachsenden Zahl von Smartphones dürfte diese Zahl eher noch gestiegen sein. So habe Facebook mit dem Kauf von Instagram nicht nur einen potenziellen Konkurrenten aus dem Weg geräumt, sondern sich auch gleich eine Technologie "mit wahnsinniger Zugkraft" verschafft, sagte Analyst Michael Pachter vom Finanzdienstleister Wedbush. "Nach dem Börsengang wird Facebook in der Position sein, aggressiv aufzutreten. Sie können dafür sorgen, dass sich niemand in ihren Weg stellt und jeden kaufen, der ihnen Probleme bereitet."

Für Instagram weicht Zuckerberg sogar von seiner bisherigen Strategie ab, übernommene Start-ups komplett in sein Online-Netzwerk zu integrieren - vorerst zumindest. Instagram solle daher unabhängig von Facebook weiterlaufen, schrieb Zuckerberg auf seiner Facebook-Seite. Doch im Netz gibt es viel Kritik von den Instagram-Mitgliedern. "Es gibt eine lange Geschichte von Unternehmen die andere Unternehmen kaufen und sagen, dass sie ihren Dienst weiter anbieten werden - und es dann nicht tun", erklärt dagegen Analystin Debra Aho Williamson vom Marktforscher eMarketer den Unmut im Web. Zudem fürchten die Nutzer Facebooks inzwischen berüchtigte Änderungen im Angebot und den Nutzungsbedingungen, die sie in der Vergangenheit oft unvorbereitet trafen und schlecht kommuniziert wurden.