Medizin

Krankenkassen fordern niedrigere Zahnarztkosten

Rechnungen sollen strenger kontrolliert werden. Ärzte reagieren gereizt

- Kunststoff-Füllungen, Kronen oder gar eine Brücke: Ein Besuch beim Zahnarzt ist oft doppelt schmerzhaft. Denn nach der oft unangenehmen Behandlung wird der Patient immer mit teuren privaten Zuzahlungen konfrontiert. Die gesetzlichen Krankenkassen möchten nun diesen privaten Teil der Zahnarzt-Abrechnung stärker kontrollieren. So soll verhindert werden, dass die Ärzte beim Eigenanteil der Patienten zu deren Lasten tricksen. Die Zahnärzte sperren sich jedoch gegen die Pläne. Auch das Gesundheitsministerium hält die derzeitige Regelung für ausreichend.

Bisher ist es so: "Die Kassen bezahlen den Festzuschuss, aber die tatsächliche Rechnung, die der Patient für den privaten Anteil erhält, sehen sie nie", erklärte der Vizevorsitzende des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), Johann-Magnus von Stackelberg, in der "Süddeutschen Zeitung". Wer mehr will als die Regelversorgung, etwa aufwendige Vollkeramik- statt Metallkronen, muss tiefer ins Portemonnaie greifen.

Die Regierung schweigt noch

Der Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, Florian Lanz, sagte am Dienstag: "Viele Versicherte klagen darüber, dass es zu teuer ist." Der Verwaltungsbeirat des Spitzenverbandes hat Ende März beschlossen, eine Änderung der Abrechnungskontrolle abzustreben, um Tricksereien zu verhindern. Lanz ergänzte: "Wenn die Krankenkassen regelmäßig erfahren würden, was mit den Rechnungen passiert, dann würden die Zahnärzte sich zweimal überlegen, ob in dem konkreten Fall wirklich eine höhere Rechnung angemessen ist." Nach Angaben des Gesundheitsministeriums müssten Zahnärzte den Kassen bereits jetzt vor der Behandlung eine Aufstellung der Kosten vorlegen - nicht jedoch danach. "Wir halten die derzeitige Regelung aber für ausreichend", sagte ein Sprecher. Das Ministerium prüfe den Kassen-Vorschlag zwar. Er machte aber zunächst wenig Hoffnung auf eine Gesetzesänderung. Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Karl Lauterbach, unterstützte den Kassen-Vorstoß hingegen. "Es gibt enorme Preisunterschiede für vergleichbare Leistungen", erklärte er. "Einige Zahnärzte kassieren ihre Patienten systematisch ab." Lauterbach schlug zudem vor, die Kassen könnten ihre Erkenntnisse über zu hohe Zahnarztrechnungen ins Internet stellen. "Denn es ist zwar schön, wenn die Kassen möglicherweise überhöhte Rechnungen prüfen", sagte er und fügte hinzu: "Aber noch schöner wäre es, wenn man die Zahnärzte, die dazu neigen, unangemessen abzurechnen, meiden könnte."

Die Kassen wollen die Abrechnung der Zahnärzte aber nicht nur prüfen, sondern auch neu regeln - mit einen eigenen Preiskatalog für die Zuzahlungen der gesetzlich Versicherten. "Wenn wir die Preise mit den Zahnärzten aushandeln würden, dann würde es bestimmt billiger, als wenn ein Versicherter allein in der Praxis mit dem Zahnarzt sitzt und ihm faktisch ausgeliefert ist", so Lanz. Bislang rechnen Zahnärzte bei Kosten, die über den Kassenzuschuss hinausgehen, über die Gebührenordnung der privaten Versicherer ab.

Mediziner: "Absurde Forderung"

Neben dem Gesundheitsministerium wandten sich auch die betroffenen Ärzte gegen das Vorhaben. Sie reagierten gereizt. Die Forderung sei "absurd", sagte der Vorsitzende der Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung, Jürgen Fedderwitz. Die Versicherten hätten bereits "volle Kostentransparenz" bei der Abrechnung der privaten Leistungen. Die Verantwortung für die Höhe der von den Patienten zu tragenden Kosten sieht er dagegen bei den Krankenkassen selbst. Die Kassen hätten ihre Ausgaben für die zahnmedizinische Betreuung der Versicherten über die Jahre immer weiter zurückgefahren, sagte er. "Jetzt wollen sie ihre Leistungsschwäche kompensieren, indem sie Behandlungen kontrollieren, die sie gar nicht bezahlen." Vom Freien Verband Deutscher Zahnärzte kam ähnliche Kritik. Auch die Bundeszahnärztekammer kritisierte die Pläne. Kammer-Präsident Peter Engel: "Gesetzliche Kassen bezuschussen nur von ihnen festgelegte Grundleistungen - dadurch gegebenenfalls nötig gewordene Zuzahlungen können nicht den Medizinern angekreidet werden."