Marktbericht

Eine mutige Forderung

Nando Sommerfeldt über den Wunsch nach höheren Spritpreisen

Es gehört schon eine gewisse Portion Mut dazu, in diesen Tagen höhere Spritpreise zu fordern. Genau dies verlangen jedoch die Autoren einer Studie, die im Auftrag des Umweltressorts der Bundesregierung erstellt wurde. Die Untersuchung zur Energiewende kommt zu dem Schluss, dass für einen Erfolg der Energiewende unter anderem höhere Preise im Autoverkehr notwendig sind. Ein politisch veranlasster Anstieg der Energiepreise sei eine Möglichkeit, künftige Preissprünge auf den weltweiten Energiemärkten abzupuffern, heißt es.

Der Gedanke dahinter: Der Ärger über die hohen Kosten - beispielsweise an der Zapfsäule - soll die Automobilindustrie zu stärkeren Investitionen in sparsamere Technologien zwingen. Das wiederum würde dazu führen, dass die Nachfrage nach Öl und Gas weltweit sinkt - folglich auch die Preise dieser Rohstoffe.

Ein passendes Mittel für höhere Spritpreise wäre etwa eine Erhöhung der Ökosteuer, erklären die Autoren der Studie. In Anbetracht des aktuellen Ärgers über die hohen Benzinkosten scheinen derartige Maßnahmen derzeit jedoch undenkbar. Im Wirtschaftsministerium stieß das Gutachten dann auch umgehend auf Widerspruch: "Verbraucher und Unternehmen sind auf bezahlbare Energiepreise angewiesen", hieß es dort. Ein weiterer politisch verordneter Anstieg der Energiepreise schade dem Industriestandort Deutschland und gefährde die Akzeptanz der Energiewende.

Genau deshalb ist zu vermuten, dass man die Studie im Kanzleramt ganz schnell wieder in einer der unteren Schubladen verschwinden lässt.