Bausparverträge

Alle wollen Spießer sein

Bausparen ist wieder angesagt. Das Zinstief weckt bei vielen den Wunsch nach der eigenen Immobilie

- Vor der Finanz- und Schuldenkrise galt Bausparen als langweilig und spießig. Nun aber flüchten immer mehr Deutsche mit ihrem Geld in Wohneigentum - und schließen eifrig Bausparverträge ab. Rund 1,5 Millionen Häuser und Wohnungen wurden seit Beginn der Finanzkrise in Deutschland für den Eigennutz erworben, zeigen die jüngsten Daten des Statistischen Bundesamtes. Demnach lebten vor der Krise nur 41,6 Prozent der rund 36 Millionen Haushalte im Eigentum. Bis Ende 2011 war die Quote bereits auf 45,7 Prozent gestiegen. In den nächsten Jahren dürfte sie nochmals kräftig zulegen. Denn immer mehr Bundesbürger schließen Bausparverträge ab, um sich ein Eigenkapitalpolster für den geplanten Kauf anzulegen.

Die Bausparkassen erzielten im vergangenen Jahr Neugeschäft über eine Bausparsumme von 100,2 Milliarden Euro - ein Plus von fast zehn Prozent gegenüber 2010. Die durchschnittliche Bausparsumme pro Vertrag stieg dabei um 4,5 Prozent auf 20.000 Euro. "Die eigene Immobilie gilt in der heutigen Zeit als attraktive, sichere Anlage und Altersvorsorge", bringt Hartwig Hamm, Verbandsdirektor der öffentlich-rechtlichen Landesbausparkassen (LBS), die Stimmung bei den Bausparern auf den Punkt. "Bausparen steht für Sicherheit und Solidität", sagt Andreas J. Zehnder, Vorstandschef des Verbands Privater Bausparkassen (VPB). "Das schätzen die Kunden seit Ausbruch der Finanzkrise noch mehr als früher."

In diesem Jahr rechnen die Institute mit weiterem Zuwachs im Neugeschäft. "Mit einem Bausparvertrag können sich Menschen die aktuell niedrigen Zinsen dauerhaft sichern, auch wenn sie erst in zehn Jahren Wohneigentum erwerben", erläutert Zehnder. Jeder Bausparvertrag wird über einen festen Betrag abgeschlossen und ist in eine Anspar- und eine Tilgungsphase unterteilt. In der Ansparphase wird das eingezahlte Kapital zu einem festen Satz verzinst. Steht nach einigen Jahren aus den Einzahlungen des Kollektivs aller Sparer genügend Geld bereit, wird die gesamte vereinbarte Bausparsumme ausgezahlt. Der noch nicht angesparte Betrag wird dabei als Darlehen zu einem ebenfalls zuvor fest vereinbarten Zinssatz gewährt. Dabei gilt die Regel: Je niedriger das eingezahlte Kapital in der Ansparphase verzinst wird, desto geringer sind auch die Zinssätze in der Darlehensphase.

Derzeit bieten Bausparkassen Verträge an, bei denen der Ansparzins zwar nur 0,5 Prozent beträgt. Dafür müssen in der folgenden Darlehensphase für den Kreditbetrag auch nur Effektivzinssätze von weniger als drei Prozent gezahlt werden. In der zurückliegenden Dekade sinkender Zinsen waren Bausparverträge kein optimales Finanzierungsinstrument. "Weil die Zinssätze für Hypothekenkredite seit 2001 kontinuierlich gesunken sind, haben Bausparer, die damals einen solchen Vertrag abgeschlossen haben, heute das Nachsehen", sagt Thomas Mai, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen. "Viele dieser Bausparer verzichten deshalb auf einen Kredit, wenn die Verträge jetzt fällig werden", sagt Mai.

Heute werfen zehnjährige Bundesanleihen weniger als 1,9 Prozent ab. Die Baugeldzinsen sind auf dem niedrigsten Stand seit der Gründung der Bundesrepublik. Experten bezweifeln allerdings, dass die Hypothekenzinsen noch lange im Keller verharren werden. Wer also schon lange den Wunsch nach den eigenen vier Wänden hegt, sollte lieber keine Zeit verlieren und ihn sich jetzt erfüllen.