Wolfson-Preis

Ein Elfjähriger will den Euro retten

Niederländischer Junge hat sich um den hochdotierten Wolfson-Preis beworben

- Seit 24 Monaten und inzwischen 15 Europäischen Regierungsgipfeln versucht die Politik des Kontinents die Schuldenkrise zu lösen, bisher vergeblich. Macht jetzt ein Elfjähriger Merkel, Sarkozy & Co. vor, wie es richtig geht?

Griechenland sollte die Eurozone verlassen, die Drachme wieder beleben und empfindliche Strafen für alle einführen, die mit ihrem Geld flüchten wollen, um die neue Altwährung zu umgehen. Das ist der Vorschlag eines Elfjährigen aus den Niederlanden, der sich mit seinen Ideen um den zweithöchst dotierten Preis in der Wirtschaft nach dem Nobelpreis beworben hatte. Es geht dabei um rund 300.000 Euro.

Jurre Hermans ist sein Name, und er lebt etwa 150 Kilometer südöstlich von Amsterdam in einem Ort namens Breedenbroek. In weniger als 280 Wörtern und einer simplen Zeichnung skizzierte er seinen einfachen Rettungsplan für Griechenland und die Euro-Zone: Danach muss jeder Grieche seine Euro zur Bank schaffen. Eine Maschine tauscht diese Euro in die frühere Währung Drachme um. Die eingesammelten Euro wiederum würden dann von der Regierung genutzt, um die Schulden zurückzuzahlen. Jeder Gläubiger, ob Firmen oder Kreditinstitute, "bekommt ein Stück von der Pizza", visualisiert der Zehnjährige seine Idee. Im Bewusstsein, dass sich Unternehmen und Privatpersonen wohl gegen den Zwangsumtausch in die Drachme wehren werden, weil die neue Altwährung "drastisch an Wert verlieren" werde, schlug Jurre Strafmechanismen vor. Jeder, der Euro verstecke und versuche, mit seinem Kapital zu fliehen, solle "bis zum Doppelten des Werts der Euro an Strafe zahlen". "Auf diese Weise stellen wir sicher, dass alle Griechen ihre Euro zu einer griechischen Bank bringen und die Regierung alle Schulden zurückzahlen kann", so der Junge. "Natürlich, wenn ein Land all seine Schulden zurückgezahlt hat, dann kann es auch wieder in die Euro-Zone zurückkehren."

Diese drastische Lösung erinnert an die Herrscher in der Antike, die sich ihrer Schulden auf ähnliche Weise entledigten. Damals wurden Untertanen, die sich dem Zwangsumtausch entledigten, einen Kopf kürzer gemacht. Dass den Menschen im Lande, das als Wiege der Demokratie gesehen wird, diese autokratische Idee nicht gefallen wird, ist bereits dem Elfjährigen klar. Entsprechend traurig malt er die Griechen in seiner Zeichnung. Mit seiner Bewerbung um den Wolfson-Preis für Wirtschaft hat er es zwar nicht in die Finalrunde geschafft. Jedoch bekam er von der Jury einen Geschenkgutschein über 100 Euro als kleine Anerkennung und jede Menge Aufmerksamkeit von der Öffentlichkeit. Inzwischen weiß halb Europa, dass sich der Junge viele Sorgen um den Euro macht, dass er Tiere liebt und gern mit seinen Freunden spielt. Das ließ er in seiner Bewerbung nicht unerwähnt.

Bei dem Preis sollten sich die Teilnehmer Gedanken darum machen, wie es wirtschaftlich in Europa weiter vorangehen kann - selbst wenn ein einzelnes Land aus der gemeinsamen Währungszone austreten sollte. Auch ging es darum, wie man im Zweifelsfall den Euro entflechten könnte, ohne dass es zu einer wirtschaftlichen Katastrophe kommt. Jurres Bewerbung war nur einer von 425 Vorschlägen für den Preis. In die Runde der letzten Fünf haben es allerdings nur Erwachsene geschafft.