Marktkommentar

Die Kanonen sind überflüssig

Philip Jürgens lobt die Abkehr von der Politik des billigen Geldes

Die Sorgen um ein Ende der Politik des billigen Geldes haben die Aktienmärkte am Mittwoch klar ins Minus gedrückt. Denn die Notenbanken in Europa und den USA haben verkündet, den Geldhahn - anders als in den vergangenen Monaten - nicht noch weiter aufzudrehen. Für Anleger ist diese Nachricht im ersten Moment enttäuschend: Schließlich ist die Aussicht auf überbrodelnde Liquidität verlockend. Genau diese vielen Milliarden Euro, die die Notenbanken zur Bekämpfung der Euro-Krise in die Märkte schossen, hatten seit Jahresbeginn für eine beispiellose Rallye an den Weltbörsen gesorgt. Mancher Investor hätte sich gewünscht, dass es noch lange Zeit so weitergeht.

Doch zum Glück ist das nicht der Fall. Anleger sollten froh sein, dass die Institute nun gegensteuern anstatt weiter aus allen Rohren zu feuern. Zum einen ist es unbedingt nötig, die Liquidität wieder vorsichtig einzusammeln, um eine ernsthafte Inflation zu verhindern. Zum anderen aber - und das ist die eigentlich gute Nachricht - scheint sich die Krise so weit entspannt zu haben, dass die Geldkanonen nicht mehr gebraucht werden: Die Krisenländer der Euro-Zone sind mit ihren Sparprogrammen auf einem relativ guten Weg, und die Unternehmen - allen voran die deutschen - schreiben satte Gewinne. Die Steuereinnahmen sprudeln und die Wirtschaft wird den Prognosen der Forschungsinstitute zufolge anziehen. Die negative Stimmung unter den Anlegern ist also fehl am Platz. Und wenn diese Erkenntnis reift, wird es mit dem Dax schon bald wieder aufwärts gehen.