Kommentar

Purer Aktionismus

Nando Sommerfeldt ärgert sich über die Kartellwächter

Politiker, Automobilklubs und Kartellamt sind sich ausnahmsweise mal einig. Die Hauptschuldigen im aktuellen Spritpreisdrama sind die Mineralölkonzerne. Doch ist es wirklich so einfach? Natürlich kann man Aral, Shell & Co. vorwerfen, dass sie im Raffineriegeschäft wahrscheinlich zu hohe Margen kassieren. Doch selbst wenn sie dies ab sofort nicht täten, würde der Spritpreis nur um wenige Cent fallen. Anstatt einen Pseudo-Schuldigen anzuklagen, sollte sich das Bundeskartellamt um einen ernsthaften Wettbewerb kümmern. Doch seine aktuelle Kampfansage an die Konzerne kann man nicht ernst nehmen. Freie Tankstellen beschweren sich nicht erst seit heute darüber, dass sie höhere Großhandelspreise zahlen müssen. Doch ausgerechnet jetzt strengt der Kartellamtschef ein Verfahren gegen die Multis an. Wäre er davon überzeugt, dass dieser Plan tatsächlich funktioniert, hätte er ihn schon vor langer Zeit verfolgt.

Das aktuelle Vorpreschen ist purer Aktionismus. So lenkt Mundt von der zunehmenden Kritik an seiner Behörde ab. In ein paar Wochen wird es wieder eine kurze Mitteilung des Kartellamtes geben, dass man sich zwar sicher sei, dass die großen Fünf der Branche ihre Marktmacht missbrauchen. Beweisen könne man ihnen aber nichts.