Bitterfeld-Wolfen

Q-Cells: Rettung des Solarkonzerns droht zu scheitern

Unternehmen gibt Sanierungskonzept auf

- Das Rettungskonzept für das überschuldete Unternehmen mit rund 2200 Beschäftigten droht zu scheitern. Es könne nicht umgesetzt werden, teilte die an der Frankfurter Börse notierte Gesellschaft am Freitag mit. Hintergrund ist ein Streit des Vorstandes von Q-Cells mit einer Minderheit von Gläubigern, die vor Gericht gezogen sind. Q-Cells erwartet, dass den Klägern Recht gegeben wird, wie dies gerade in einem vergleichbaren Fall des Unternehmens Pfleiderer vor dem Oberlandesgericht Frankfurt/Main geschah. "Wir teilen die Auffassung des Gerichts nicht, aber Gericht ist Gericht", sagte Q-Cells Sprecherin Ina von Spies. Zu erwartende Klagen gegen das Restrukturierungskonzept des Solarkonzerns wären ebenfalls von demselben Gericht zu entscheiden und es bestehe kein Anlass zu der Annahme, dass das Gericht seine Ansicht ändert, hieß es von Seiten Q-Cells.

"Solar Valley" ist in Gefahr

Das Unternehmen sucht unterdessen nach einem neuen Weg. "Wir prüfen Alternativen zur Umsetzung des Konzepts", sagte von Spies. Bisher plante der Solarkonzern einen radikalen Schulden- und Kapitalschnitt und hatte dafür die Zustimmung der Mehrheit der Gläubiger, die Anleihen über mehrere 100 Millionen Euro besitzen. Ziel der Aktion war es letztlich, eine Insolvenz abzuwenden, denn das Unternehmen hat auch kein Eigenkapital mehr. Die Gläubiger sollten am Ende des Restrukturierungsprozesses 95 Prozent der Unternehmensaktien besitzen, für die Aktionäre sollen nur noch fünf Prozent bleiben. Der Düsseldorfer Anwalt Peter Dreier, der mehrere Gläubiger von Q-Cells vertritt und gegen das Unternehmen klagt, begrüßte den Schritt des Konzerns, nach Alternativen zu suchen.

Q-Cells hatte 2011 unter dem Strich einen Verlust von 846 Millionen Euro erwirtschaftet. Die Erlöse brachen um ein Viertel auf nur noch gut eine Milliarde Euro ein. In Sachsen-Anhalt sind mehrere Tausend Menschen in der Solarbranche beschäftigt, Dienstleistungsunternehmen von den Solarfirmen abhängig. Das Industriegebiet "Solar Valley" in Bitterfeld-Wolfen, dessen Kern Q-Cells ist, gehört laut Branche zu den größten seiner Art in Europa. Mit dem Strukturwandel in der Chemie und dem Aus des Braunkohle-Bergbaus in der Region nach 1990 wurden Q-Cells und andere Firmen der jungen Industrie zu den Hoffnungsträgern für Beschäftigung auf Dauer.