Verkehr

Neue Züge, neue Leute, neue Ziele für die Bahn

Grube will führenden Mobilitätskonzern schaffen

- "Sie fährt gern Bahn, weil dort alle Züge WLAN haben", sagt er. Grube hat für die Fahrt kein Ticket aus Papier, sondern per Handy gebucht und gezahlt. Der Zug ist schnell, sauber, überpünktlich. "Wenn ich ankomme, leihe ich mir ein Elektroauto und fahre mit Winfried Kretschmann, dem Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, die Neubaustrecke nach Ulm anschauen. Kretschmann liebt dieses Projekt inzwischen", so Grube. Es ist der 29. März, ein Sonntag - denn was der Bahnchef da schildert, ist sein Traum. Und der spielt im Jahr 2020.

In dem Traum des Bahnchefs kommen viele Zahlen vor. In acht Jahren macht die Bahn demnach 70 Milliarden Euro Umsatz. Das ist fast doppelt so viel wie heute. Die Deutsche Bahn ist dann das weltweit führende Mobilitätsunternehmen. Um das zu werden, wurden seit 2012 rund 86 Milliarden Euro investiert. In Informationssysteme, neue Züge, die Bahnhöfe, das Netz. Der Konzern hat deutlich mehr als die derzeit 295.000 Mitarbeiter. Mehr als ein Fünftel der Führungskräfte sind Frauen - momentan liegt die Quote bei 16 Prozent. Die Kundenzufriedenheit ist überdurchschnittlich gut, die Züge deutlich pünktlicher als heute. Und die Bahn ist auf dem Weg zum Ökokonzern. 35 Prozent des benötigten Stroms stammen aus erneuerbaren Energien. Derzeit liegt der Anteil bei 20 Prozent.

Und weil aus den Visionen des Bahnchefs Wirklichkeit werden soll, wurde dafür ein Programm aufgesetzt. Das heißt wenig überraschend "DB 2020". Erreicht der Konzern die darin gesetzten Ziele, ist die Bahn in jenem Jahr eines der profitabelsten, ökologischsten und bei Arbeitnehmern gefragtesten Unternehmen in Deutschland. Das Programm wurde mit Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) abgestimmt und soll am 13. Juni dem Aufsichtsrat zur Abstimmung vorgelegt werden. "Das ist keine Revolution, die wir vorhaben, aber endlich eine Strategie für den Gesamtkonzern. Bislang gab es als Ziel nur den Börsengang", sagt Rüdiger Grube.

Die Frage ist nun, ob und wie er seine ehrgeizigen Ziele erreichen kann. Die Ausgangslage 2012 scheint nicht schlecht zu sein. Im vergangenen Jahr hat die Bahn den Umsatz im Vergleich zu 2010 um mehr als zehn Prozent auf den Rekordwert von knapp 38 Milliarden Euro gesteigert, wie der Vorstandschef auf der Bilanzpressekonferenz in Berlin mitteilte. Der Nettogewinn stieg 2011 um knapp 26 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Alle großen Geschäftsfelder haben im Vergleich zum Vorjahr beim Ergebnis kräftig zugelegt. Einziger Schwachpunkt ist der Schienengüterverkehr, nur dort wurde 2011 nach Zinsen Verlust gemacht.