Marktbericht

Ölpreis wird zum Politikum

Nando Sommerfeldt

Nando Sommerfeldt über das Anzapfen der staatlichen Ölreserven

Weil die Bürger immer mehr für Benzin, Gas und Heizöl ausgeben müssen, fehlt ihnen Geld, mit dem sie über mehr Konsum die Konjunktur ankurbeln könnten. Frankreich reagierte deshalb am Mittwoch. Mann wolle die strategischen Ölreserven, die für Versorgungsnotlagen angelegt wurden, anzapfen, um für sinkende Preise zu sorgen. In der vergangenen Woche hatten bereits die USA und Großbritannien erklärt, sie planten, ihre strategischen Reserven freizugeben.

Nun muss man natürlich wissen, dass sich Nicolas Sarkozy und Barack Obama im Wahlkampf befinden und mit einer solchen Aktion auf das Wohlwollen der Bevölkerung hoffen. Hierzulande steht die Bundestagswahl bekanntermaßen erst im kommenden Jahr an. Für die Bundesregierung besteht also kein Grund für übereifrige Manöver. Die Reserven seien ausdrücklich kein Werkzeug zur Stabilisierung der Preise, sagte Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler am Mittwoch. Die nationalen Ölreserven könnten nur freigegeben werden bei einem echten physischen Mangel. Deutschland hat 1978 in der Ölkrise begonnen, nationale Ölreserven aufzubauen und hat die Lager seitdem drei Mal angezapft.

Der Ölpreis selbst reagierte eher verhalten. Er sank leicht, doch beeindruckt zeigten sich die Marktteilnehmer nicht - Obama und Sarkozy hatten sich zweifellos mehr erhofft.