Unternehmertafel

Ehrgeizige Pläne einer energischen Frau

Von Anfang an wurde sie als Neuling in der Berliner Politik besonders beäugt - und in ihren ersten Wochen im Amt hat sie schon einigen Wirbel verursacht. Nach einem Zwist mit ihr gab Peter Zühlsdorff, Aufsichtsratschef der Wirtschaftsfördergesellschaft Berlin Partner, sein Amt auf. Berlins parteilose Wirtschaftssenatorin Sybille von Obernitz ist eine energische Frau, die Konflikte nicht scheut.

Das zeigte sie auch bei der Unternehmertafel von Berliner Morgenpost und der Personalberatung Kienbaum.

"Erwartungen der Berliner Unternehmen an die Wirtschaftspolitik des neuen Senats" lautete das Thema bei der 36. Auflage der Gesprächsrunde. Vor allem aber wollten die Manager am Tisch wissen: Was erwartet uns mit Sybille von Obernitz? Welche Vorstellungen hat sie, wie soll Wirtschaftsförderung bis zum Ende der Legislaturperiode 2016 aussehen? "Es gab viel Unruhe", sagte Willy Weiland, Präsident des Berliner Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) und bezog sich auf Presseberichte über die Senatorin.

Von Obernitz ihrerseits machte deutlich, dass es ihr um eine Bestandsaufnahme der Wirtschaftspolitik gehe - und darum, Förderinstrumente richtig einzusetzen. "Pro Jahr fließen aus dem Landesetat 22 Millionen Euro in die Wirtschaftsförderung. Da ist es nur angemessen, genau hinzuschauen, ob diese Mittel effizient eingesetzt werden", sagte sie. Für die Förderung von Unternehmen und Gründern kommen Mittel aus verschiedenen Töpfen. Rechnet man EU- und Bundesmittel hinzu, so sind es von Obernitz zufolge 250 Millionen Euro im Jahr. Gleichzeitig kümmern sich Institutionen wie Berlin Partner, die Tourismuswerber von Visit Berlin oder die Technologiestiftung Berlin (TSB) um Firmen und Wachstum. Ein weiterer wichtiger Mitspieler ist die landeseigene Förderbank IBB.

Die Senatorin will die verschiedenen Organisationen besser koordinieren - und Führung zeigen. "Die Handschrift der Landespolitik muss erkennbar sein", sagte sie. Vor allem gehe es darum, Institutionen und ihre Förderbemühungen besser miteinander in Einklang zu bringen. Das verlangten schon die ehrgeizigen Projekte, denen sich Berlin verschrieben habe, etwa für die Entwicklung eines Industrieparks auf dem Gelände des bald ehemaligen Flughafens Tegel. Die Hauptstadt benötige Kapital für weitere Prosperität. "Und ich bin der Meinung, wir brauchen größere Ankerinvestitionen in der Stadt", sagte von Obernitz. Auf solche Ziele will sie die Wirtschaftsförderung einschwören. "Dabei geht es mir nicht darum, bis ins letzte operative Detail hineinzuregieren", betonte sie.

Anerkennung von den Bossen

Ihr Bemühen um eine bessere Abstimmung in der Wirtschaftspolitik wurde von den Managern und Unternehmern in der Runde durchaus wohlwollend aufgenommen. Die mangelnde Koordinierung der Wirtschaftsförderer in der Stadt ist oft kritisiert worden. Aber bessere Abstimmung bezüglich größerer Wirtschaftsprojekte benötigten auch die einzelnen Senatsbehörden, betonte Stephan Schwarz, Präsident der Berliner Handwerkskammer. Von Obernitz' Ansinnen einer besseren Koordinierung von Berlin Partner und Co. unterstützt er dennoch: "Das Primat der Politik muss man anerkennen."

Allerdings wünschen sich auch namhafte Konzerne mehr Initiative von Seiten der Landespolitik. Er hege sehr viel Sympathie für die Idee, mehr Führung zeigen zu wollen, sagte Michael Clausecker, designierter Deutschlandchef des Bahnherstellers Bombardier und zugleich Generaldirektor des Verbands der Europäischen Bahnindustrie. Zusammen mit landeseigenen Unternehmen wie der BVG könne man doch Neuentwicklungen beispielhaft zeigen. "Mehr Lösungen hier demonstrieren und dann in alle Welt verkaufen."

Andreas Penk, Deutschlandchef des US-Pharmakonzerns Pfizer betonte, welchen exzellenten Ruf Berlin als Standort für Pharma und Biotechnologie genieße. Penk fordert aber auch mehr Kreativität wenn es um die Entwicklung von Standorten wie Tegel geht. "Man sollte nicht einfach von einem Industriepark sprechen, sondern sich zuerst fragen: Welche Stärken hat die Stadt zu bieten", fordert Penk. Er verwies auf einen Zukunftstrend, die Verschmelzung von Biotechnologie und Informatik. "Da hat Berlin eine echte Chance, vorn mitzuspielen."

Sybille von Obernitz zeigte in der Runde, dass sie nicht nur eigene Vorstellungen hat, sondern intensiv nach Anregungen sucht. Sie machte jede Menge Notizen während des Gesprächs. Und am Ende dürfte sie eine ganze Reihe von Vorbehalten zerstreut haben. Und es dürfte sich ihre Ahnung verfestigt haben, wie herausfordernd ein Senatorenposten in der Stadt ist. "Berlin ist unübersichtlich. Aber es passiert viel Gutes und es gibt viele, die Gutes beitragen", sagte Burkhard Ischler, Leiter des Berliner Büros von Siemens. "Da müssen wir den Dialog suchen."