Verkehr

Daimler startet Mietautoflotte in Berlin

Der Carsharing-Markt in Berlin kommt kräftig in Bewegung. Nach der Deutschen Bahn und BMW wird mit der Daimler AG ein dritter deutscher Großkonzern mit einer eigenen Mietwagenflotte an den Start gehen und damit kleinen regionalen Anbietern das Leben schwer machen. Insgesamt 1000 Zweisitzer-Smarts - so viele wie in keiner anderen Stadt weltweit - will die Daimler-Tochter car2go ab Ende April in der deutschen Hauptstadt haben, um sie dann zu vermieten.

Für den Nutzer ist dafür lediglich eine einmalige Registrierung (zum Preis von 9,90 Euro) erforderlich. Die Fahrten selbst kosten ihn dann 29 Cent pro Minute, jedoch maximal 12,90 Euro für eine Stunde und 39 Euro am Tag. Für einen solchen Tagespreis gibt's bei anderen Anbietern die Mietwagen nur nach langer Voranmeldung und zu wenig nachgefragten Zeiten.

Unterstützung bekommt das Daimler-Projekt dabei von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und auch von den landeseigenen Berliner Verkehrsbetrieben (BVG). Das sieht nur auf den ersten Blick nach Widerspruch aus. "Wir sind diese Kooperation ganz bewusst eingegangen, weil wir über diesen Weg ganz neue Kundenkreise für den öffentlichen Nahverkehr gewinnen können", sagt BVG-Finanzvorstand Henrik Falk. In den Verkaufsstellen der Verkehrsbetriebe kann man sich nicht nur für car2go registrieren lassen, bis Ende Mai gibt es für Monatskarten-Abonnenten sogar einen Rabatt auf den Anmeldepreis geben.

Die Überlegung dahinter: Wer erst einmal auf ein eigenen Auto vor der Tür verzichtet, weil er an jeder Ecke spontan und unkompliziert in einen Mietwagen steigen kann, der wird für regelmäßige Fahrten wie etwa den tägliche Weg zur Arbeit auf Busse und Bahnen umsteigen.

Viele Berliner ohne eigenes Auto

Genau dieser Verhaltenswandel entspricht auch der Strategie der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, die aus Gründen der Ökologie und der Lebensqualität möglichst viel automobilen Individualverkehr aus der Innenstadt verbannen will. Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler (SPD) sieht Berlin da auf einen guten Weg. "43 Prozente der Haushalte sind in Berlin bereits autofrei, so viele wie in keiner anderen deutschen Stadt." Das Daimler-Projekt wird vom Senat zwar nicht mit Geld gefördert, wohl aber intensiv unterstützt. So sollen etwa über die Internetseite der Verkehrsinformationszentrale die jeweils aktuellen Standorte der car2go-Smarts angezeigt werden.

Dies ist für den Nutzer des car2go-Angebots eine wichtige Information. Denn anders als herkömmliche Mietwagen-Anbieter hat car2go keine festen Stationen. Die blau-weißen Smarts stehen jeweils dort, wo sie ihr letzter Fahrer abgestellt hat. Deren Aktionsradius ist dabei nicht auf das Gebiet des Berliner S-Bahn-Rings beschränkt. Er reicht im Westen bis nach Spandau, im Osten bis nach Marzahn, im Südwesten kann bis Lichtenrade und im Südosten auch in der Köpenicker Altstadt gefahren werden. Besonders einfach sollen es Smartphone-Nutzer haben. Sie können dann über eine App den nächstgelegenen Standort eines Miet-Smarts abfragen.

Beginnen will Daimler in Berlin zunächst mit 1000 Smart fortwo mit Dieselmotoren. Schon sie sollen mit einem Kohlendioxidausstoß von deutlich unter 100 Gramm je Kilometer die Umwelt vergleichsweise wenig belasten. Ab kommendem Jahr wird die Flotte nach und nach auf eine noch umweltfreundlichere Technologie umgestellt. Schon 2013 soll es 300 Elektro-Smarts geben. Warum sie nicht von Beginn an zum Einsatz kommen, begründet car2go-Chef Henrich mit den noch nicht ausreichend vorhandenen Aufladestationen in der Stadt.

Bald auch Elektroautos

Dieser Zustand soll sich in den nächsten Jahren sichtbar ändern. Gibt es derzeit 220 öffentliche "Strom-Tankstellen", so soll deren Zahl in den kommenden vier Jahren auf mehr als 1600 steigen, verspricht Gernot Lobenberg, Leiter der Berliner Agentur für Elektromobilität. 2015 sollen mindestens 15.000 Elektro-Autos durch die Stadt rollen, was sich bei einem Bestand von mehr als zwei Millionen Fahrzeugen noch immer recht klein ausnimmt. Für Lobenberg ist E-Carsharing-Projekt von car2go ein wichtiger Bestandteil des Konzepts, mit dem sich Berlin beim Bund für ein "internationales Schaufenster der Elektromobilität" bewirbt. 23 Bewerber gibt es, mit Förder-Millionen können jedoch am Ende nur vier oder fünf Regionen bundesweit rechnen. Berlin habe da gute Chancen, sagt Lobenberg.

Mit der Daimler AG scheint Berlin einen potenten Partner gefunden zu haben. Denn ihr Mobilitätskonzept car2go gibt es bereits seit 2008 und ist inzwischen mit insgesamt mehr als 3000 Fahrzeugen in fünf Städten Nordamerikas (unter anderem Washington und Vancouver) sowie acht europäischen Großstädten (darunter Wien, Lyon und Hamburg). In Amsterdam und im kalifornischen San Diego sind bereits ausschließlich elektrische betriebenen Fahrzeugen im Einsatz.

In Berlin hatte im Herbst vorigen Jahres Daimler-Konkurrent BMW mit "DriveNow" ein flexibles Carsharing-Angebot gestartet. Bereits seit Längerem bietet die Deutsche Bahn den Flinkster an. Zielgruppe aller Anbieter ist vor allem die Generation junger, gut ausgebildeter Leute in städtischen Ballungsräumen, für die nicht der Besitz eines Autos, sondern eine möglichst große Mobilität von Wert ist.

Erfahrungen aus Hamburg, wo car2go im vorigen Jahr mit 500 Smarts startete, besagen, dass die inzwischen 12.000 registrierten Kunden überwiegend 26 bis 35 Jahre alt sind. Gefahren werden die Mietwagen meist nur zwischen fünf und zehn Kilometern, die Ausleihzeit liegt überwiegend zwischen 20 bis 60 Minuten.